Betreiber hofft auf baldigen Start

Bokeler Windpark: Spatenstich noch unklar

Skizze mit den sieben Windräder-Standorten im geplanten Bokeler Windpark.
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So sind die sieben Windräder im geplanten Bokeler Windpark verteilt. Die Nähe zum möglichen Nienwohlder Windpark ist ein limitierender Faktor, ebenso die vorgesehene B190n-Trassenführung, die durch das Gebiet verläuft.
  • Paul Gerlach
    vonPaul Gerlach
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Bokel – Die Planung zieht sich seit zehn Jahren zäh wie Kaugummi hin: Aber für den vorgesehenen Windpark Bokel scheint sich nach vielen Höhen und Tiefen bei dem in 2011 eingeleiteten Verfahren nun alles auf die Umsetzung hinzubewegen. Die Pläne für den über das Raumordnungsprogramm genehmigten Windpark wurden am Donnerstagabend noch einmal dem Sprakensehler Vorbereitungsausschuss vorgestellt.

„Wir sind mittlerweile in der dritten Ratsperiode“, rief Dr. Karsten Ebel, Jurist und Berater bei der PNE AG als Betreiber, in Erinnerung. Der lange Zeitraum habe aber nicht an der Kommune oder dem Betreiber gelegen, der beim Bokeler Windpark mit der Tochtergesellschaft WKN zusammenarbeitet. Die Hängepartie im Genehmigungsverfahren durch den Zweckverband (nun Regionalverband) Großraum Braunschweig sorgte für die Warteschleife. „Damit mussten wir leben. Es war nicht immer ganz einfach mit dem Verband“, so Ebel. Die Gemeinde und die Samtgemeinde seien hingegen große Stützen in dieser Zeit gewesen.

Ebel wollte bei der Sitzung nicht verhehlen, dass der Windpark zwischendurch kurz vor dem Scheitern gestanden hatte – nämlich als die Bundeswehr bekanntlich schwere Bedenken anmeldete, da dort eine Nachttiefflugstrecke für Helikopter verläuft. Mit vielen Hilfestellungen und eigenem Drängeln sei es aber gelungen, die Bundeswehr davon zu überzeugen, den Korridor zu verlegen.

B190n läuft durch

Ebel geht davon aus, dass die Fläche bei Bokel über kurz oder lang mit dem geplanten Windpark südlich von Nienwohlde zusammengelegt werden wird. Gleichwohl hatte der Nienwohlder Windpark Auswirkungen auf die Bokeler Planung, da Abstände eingehalten werden muss. Ein achtes Windrad im Osten des Gebietes wurde daher herausgenommen. Ein weiterer limitierender Faktor ist die vorgesehene B190n-Trassenführung: Die Bundesstraße wird in West-Ost-Richtung mitten durch die Potenzialflächen verlaufen. Die Trasse ist raumordnerisch abgestimmt und linienbestimmt. Die nötigen Abstände zu den Windrädern wurden planerisch festgehalten. PNE-Projektentwicklerin Aimée Gieseler betonte, dass weitere Anlagen selbst ohne B190n dort räumlich nicht möglich gewesen wären.

Die Luftfahrt führte zu einer Höhenbegrenzung bei den Windrädern: Nun sind noch 200 statt bis zu 240 Meter möglich. Laut Ebel wird der Windpark trotzdem ertragreich sein, aber natürlich reduziert wegen der verringerten Höhe der Anlagen – 3,6 anstelle von bis zu 5,5 Megawatt Leistung pro Anlage. Weiterhin gilt laut PNE: Es wird bei der Draufsicht kein Rotor über die Waldlinie hinausragen.

Seeadler nicht vor Ort

Die Gemeinde wird von den Windpark-Betreibern 0,2 Cent pro Kilowattstunde bekommen, das wurde bereits zugesichert. Diese Summe wird voraussichtlich irgendwo zwischen 60- und 100 000 Euro pro Jahr liegen. Zudem wollen die Grundstückseigentümer ebenfalls einen noch nicht endgültig fixierten Anteil ihres Erlöses der Kommune spenden. „Bokel und andere Gemeindeteile sollen profitieren, es soll den Bürgern zugutekommen“, sagte Bürgermeisterin Christiane Fromhagen. Eine mündliche Zusicherung gibt es, ein entsprechender Vertrag werde noch geschlossen.

Um den Strom des Windparks abzunehmen, wird laut Gieseler bei Nettelkamp ein Umspannwerk gebaut werden. Seit Anfang 2021 seien weitere faunistische Untersuchungen für den Windpark erfolgt. Insbesondere wegen eines Seeadlers, der bei Bokel vor Ort sein sollte, es laut Gieseler aber nach neuesten Erkenntnissen eines Faunisten nicht ist – und zur weiteren Untermauerung der bisherigen Gutachten.

Der Baustart beim Projekt ist laut Ebel noch unklar. „Hoffentlich bald“, sagte Gieseler. Bei je einer Enthaltung von Matthias Röling-Müller wurden der Abschluss eines städtebaulichen und eines Nutzungsvertrages zwischen Gemeinde und PNE für das Projekt an den Rat empfohlen. Ob der Seitenbereich des Nienwohlder Weges bituminös verstärkt werden muss, um zu verhindern, dass dieser beim Anlieferungsverkehr im Zuge der Bauarbeiten wegbröckelt, soll noch vor der Ratssitzung vor Ort mit PNE geklärt werden.

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