Vorhabenträger muss Pläne für Vormaststall an Funkturm ruhen lassen

Bokel: Erstmal mobile Ställe für Bio-Puten

So soll der Mobilstall-Verbund bei Bokel nach der derzeitigen Planung aussehen. Nach einem kompletten Mastdurchgang über etwa viereinhalb Monate an einer Stelle werden die einzelnen Module neu versetzt.
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So soll der Mobilstall-Verbund bei Bokel nach der derzeitigen Planung aussehen. Nach einem kompletten Mastdurchgang über etwa viereinhalb Monate an einer Stelle werden die einzelnen Module neu versetzt.

Bokel – Im Außenbereich am Funkturm zwischen Bokel und Behren möchte Familie von der Ohe zwei Bio-Putenmastställe zu je 2500 Tieren und einen Bio-Putenvormaststall für 5000 Tiere bauen. Es geht um eine Gesamtinvestition von rund 1,8 Millionen Euro.

Der Sprakensehler Gemeinderat hatte im Dezember 2019 bereits sein Einvernehmen hergestellt.

Doch der Familie aus Bokel kommt die Änderung der EU-Bioverordnung zum 1. Januar 2021 dazwischen. Die Lösung, der nun auch der Gemeinderat bei seiner Sitzung am Dienstagabend bei einer Gegenstimme zustimmte: Südlich von Bokel sollen mobile Ställe auf der Fläche „Feldkamp“ aufgestellt werden.

Die Umsetzung des ursprünglichen Projektes lässt sich derzeit nicht wirtschaftlich umsetzen, so die Verwaltung, da sich aufgrund der EU-Gesetzesänderung die Rechenweise für die Berechnung der Tierbesatzdichte geändert hat. Somit würden rund 33 Prozent weniger Tiere im Stall gehalten werden dürfen. Der bisherige Bauantrag für die beiden festen Ställe ruht daher auf Wunsch des Vorhabenträgers beim Landkreis. Auch wenn die Pläne weiter verfolgt werden sollen, wie ein Familienmitglied bei der Sitzung betonte. Der Putenvormaststall ist bereits genehmigt worden.

Nun soll – mit dem erteilten Einverständnis der Gemeinde – die Bio-Putenmast vorerst als Mobilstallhaltung umgesetzt werden (Aufbau ab diesem Monat). Dieses Haltungssystem sei in der jüngsten Vergangenheit bereits vermehrt in der Legehennenhaltung zum Einsatz gekommen und sei mittlerweile insbesondere bei kleineren Bestandsgrößen in der Direktvermarktung fast als Standard anzusehen. In der Geflügelmast habe es hingegen noch keine nennenswerte Bedeutung erlangt. Das Familienmitglied erläuterte, dass einzelne, kleinere Ställe in der Fläche verteilt werden sollen. Die knapp 7500 Tiere in neun Gruppen hätten ganz normal Auslauf – bis sie ihr Endgewicht erreichen und zum Schlachten abtransportiert werden. Der Mist werde nach Eickhorst in die Biogasanlage gebracht. Die Ställe würden zwei-, dreimal im Jahr – nach jedem Mastdurchgang – versetzt werden.

CDU-Ratsherr Andreas Düvel stimmte dagegen – wegen der Nähe des geplanten Standortes zum Ort und zum Alten- und Pflegeheim. Er sei aber nicht gegen Putenhaltung, betonte er. Bürgermeisterin Christiane Fromhagen enthielt sich bei der Abstimmung. Ein Landwirt aus der Nachbarschaft sowie Heinrich Winkelmann aus Bokel meldeten bei der Sitzung Bedenken an – mit Blick auf die Abstände zu ihren Betrieben wegen der Seuchengefahr, zudem könne Mist bei der Abholung auf der Straße liegen bleiben. Die Frage der Zuwegung müsse einvernehmlich geregelt werden. „Wir werden von Puten umzingelt“, drückte der Landwirt sein Gefühl aus. VON PAUL GERLACH

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