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Aus Kiew geflüchtete Studentin über Kriegsgrauen und Aufnahme in Masel

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Von: Paul Gerlach

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Anastasiia (2.v.r.), 20 Jahre alt, aus Kiew geflüchtet und Studentin in Odessa, berichtete am Hankensbütteler Gymnasium in eindrücklichen Worten über die Schrecken des Krieges. Mit ihrer gleichnamigen Cousine (r.) und weiteren Familienangehörigen wurden sie in Masel herzlich aufgenommen. Auch die Lehrer Martin Rausch und Kristin Pinnow sowie Maira Röling-Müller (Mitte) stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
Anastasiia (2.v.r.), 20 Jahre alt, aus Kiew geflüchtet und Studentin in Odessa, berichtete am Hankensbütteler Gymnasium in eindrücklichen Worten über die Schrecken des Krieges. Mit ihrer gleichnamigen Cousine (r.) und weiteren Familienangehörigen wurden sie in Masel herzlich aufgenommen. Auch die Lehrer Martin Rausch und Kristin Pinnow sowie Maira Röling-Müller (Mitte) stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. © Gerlach, Paul

Hankensbüttel/Masel/Kiew - Wie sehr der Krieg uns alle in Europa betrifft, wurde am Freitag, 25. März, wieder in der vollbesetzten Mensa des Hankensbütteler Gymnasiums deutlich. Eindrücklich beschrieb die 20-jährige Anastasiia, die in Odessa studiert, die Grauen des Krieges in der Ukraine. Sie ist mit ihrer Mutter, Oma, Tante, ihrer 13 Jahre alten, gleichnamigen Cousine und mit ihrem Freund sowie dessen Eltern zu acht privat in Masel untergekommen. Auch die Lehrer Martin Rausch und Kristin Pinnow sowie Maira Röling-Müller stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. 

Die vielen Toten und Verwundeten, Hunger, Leid und Not der Zivilbevölkerung, die bombardierten Städte und besetzten Dörfer, die zerstörte Infrastruktur – Anastasiia beschrieb im Gymnasium die desaströse Lage in ihrer Heimat. In Mariupol würden sich 350000 Menschen in Kellern und Schutzräumen verstecken. Seit zwei Wochen hätten die Menschen keinen Handyempfang mehr, um ihre Liebsten über ihre Lage zu informieren. Tausende Einwohner, die sich aus Mariupol hinaus hätten retten können, seien nun in den besetzten Städten Manhushi und Melekin vom Hungertod bedroht. Russische Besatzer würden es ablehnen, die Menschen mit Essen und Wasser zu versorgen, und ihnen sichere Fluchtkorridore verwehren. Der Krieg habe zur größten weltweiten Flüchtlingskrise im 21. Jahrhundert geführt.

Anastasiia ist erleichtert, dass sie mit ihren Liebsten Deutschland ohne Visa betreten durfte – sogar ohne biometrischen Ausweis. Sie bekommen hier eine Unterkunft, Unterstützung oder auch gegebenenfalls medizinische Versorgung. Mit Essen, Kleidung und anderen wichtigen Gütern seien sie ausgestattet. Denn die Geflüchteten hatten nur das Nötigste mitgenommen – als enorme Explosionen in ihrer Heimatstadt sie aus der Wohnung vertrieben. Anastasiia: „Wir sind eines Tages aufgewacht und alles war anders.“ Bomben fielen, das Feuer der Flugabwehr war zu hören, Autos und Panzer brannten, Menschen weinten. „Alles, was wir kannten, wurde uns weggerissen. Meine Mutter und ich weinten, als mein Vater sagte, dass wir gehen sollten, und wir ihn verlassen mussten.“ Viele Menschen aus der ferneren Verwandtschaft blieben ebenfalls in der Ukraine zurück. „Viele meiner Freunde in der Ukraine schützen unsere Häuser. Ich hoffe, dass wir sie bald wiedersehen.“

Die Maseler Dorfgemeinschaft kümmert sich um die Geflüchteten, die Familien Röling-Müller und Merten (mit Tochter Eileen) betreuen sie, wofür diese sehr dankbar sind. So ist für Beschäftigung, zum Beispiel bei Ausritten, gesorgt. Bei Fahrten, etwa zum Tierarzt mit Hund und Katze, wird im Wechsel unterstützt. Die Cousine wird schnellstmöglich hier im Landkreis zur Schule gehen können, die große Anastasiia will ihr Studium online fortsetzen und fühlt sich in Masel sehr willkommen und als Teil der großen Dorffamilie. „Alle Familien haben sich bereit erklärt, uns zu helfen.“ Für den Schutz und die Sicherheit bedanken sie sich, so seien sie aus dem Horror herausgezogen worden.

Die freitägliche Mahnwache an der Schule wurde am 25. März durch Abiturientinnen des 13. Jahrgangs, von Lehrerin Henrike Dralle unterstützt, mit zur Situation in der Ukraine passend herausgesuchten Zitaten gestaltet.

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