Reste einer mittelalterlichen Gerberei

Archäologen stoßen in Steinhorst auf einen mutmaßlichen Lohkasten

Die ehrenamtlichen Helfer der archäologischen Arbeitsgemeinschaft des Museums- und Heimatvereins Gifhorn bei der Arbeit.
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Die ehrenamtlichen Helfer der archäologischen Arbeitsgemeinschaft des Museums- und Heimatvereins Gifhorn bei der Arbeit.

Steinhorst – Es hatte sich zuletzt angedeutet und nun kam auch die Erfolgsmeldung: Bei den Ausgrabungen in Steinhorst auf der Fläche des ehemaligen Gasthofes Heine (das IK berichtete) kamen jetzt die Überreste einer mittelalterlichen Gerberei zum Vorschein.

Die ehrenamtlichen Helfer der archäologischen Arbeitsgemeinschaft des Museums- und Heimatvereins Gifhorn fanden einen weitgehend erhaltenen, rund 1,30 mal 1 Meter großen Holzkasten. Darin befanden sich Keramikscherben, Holzstückchen, Eicheln, Lederreste und Tierknochen.

Sie stießen auf den Lohkasten – eine Holzkiste mit Lederresten und Tierknochen. Es sind Überreste einer mittelalterlichen Gerberei.

Dabei handelt es sich wahrscheinlich um einen Lohkasten, die benötigt wurden, um rohe Tierhäute in haltbares Leder umzuwandeln. Aufgrund der geborgenen Keramik datieren die Archäologen den Befund in das 12. oder 13. Jahrhundert. Für eine genauere zeitliche Einordnung wurden Holzproben zur Dendrodatierung an das Deutsche Archäologische Institut nach Berlin übersandt.

Nach den Ausgrabungen, die über zwei Wochen liefen, werden nun erst einmal die aktuellen Funde und Befunde ausgewertet. Weitere Grabungen sind vorerst nicht geplant, teilt der Landkreis Gifhorn mit. Im Zuge der Bauarbeiten zum geplanten Edeka-Markt werden die von Erdarbeiten betroffenen Bereiche jedoch archäologisch weiter untersucht werden. Dazu wird in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ein Konzept erarbeitet, heißt es vom Kreis.

Das Fazit nach den Ausgrabungen fällt daher positiv aus. Aufgrund der Lage des Areals war natürlich mit Siedlungsspuren gerechnet worden. Über die jüngeren Nutzungsverhältnisse auf der nun untersuchten Parzelle waren die Archäologinnen und Archäologen durch historische Quellen bereits vor Grabungsbeginn im Bilde. Die Befunde aus dem 17./18. Jahrhundert stellten somit keine große Überraschung dar.

Mit den nun gefundenen, weitaus älteren Siedlungsspuren „war im Vorfeld jedoch nicht unbedingt zu rechnen“, freut man sich beim Landkreis. Die jüngsten Entdeckungen würden nun die spannende Frage aufwerfen, ob der Ort im Mittelalter vielleicht stärker durch Handel und Handwerk geprägt war, als bisher angenommen wurde.

• Eine weitere Frage, die sich aufdrängt, ist, auf welchen Flächen in Steinhorst in der näheren Zukunft noch archäologische Untersuchungen vorgenommen werden könnten. So gehört zu den aktuellen Bauprojekten im Ort das Ärztehaus, wo aufgrund der Lage ebenfalls mit archäologischer Substanz zu rechnen ist. Seitens des Landkreises wird zu diesem Punkt betont, dass die Kreis- und Stadtarchäologie als untere Denkmalschutzbehörde in der Regel nur dort tätig werde, wo Bauaktivitäten ein Fenster in die Vergangenheit öffnen. Ob und welche archäologischen Maßnahmen in Sachen Ärztehaus tatsächlich notwendig sind, sei derzeit im Gespräch, erläutert die Kreisverwaltung. VON PAUL GERLACH

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