Anekdotenreiche Ausstellungseröffnung: Weber-Karikaturen im Gymnasium Hankensbüttel

Kreativität statt Kunstgeschichte

Für die Besucher der Eröffnung gab es viele bekannte Gesichter zu entdecken.

Hankensbüttel. „Was ist Kunst?“, fragte der Bottendorfer Albert Schröder gestern Nachmittag in der Bibliothek des Hankensbütteler Gymnasiums, als die Reihe an ihm war, über das Wirken des einstigen Kunstpädagogen Horst L. Weber zu berichten.

Charakterisierte Weber und sein Schaffen: Heribert Klose als langjähriger Wegbegleiter im Kollegium.

Die Antwort, die er vor 50 Jahren von Weber gelernt hatte, lieferte er gleich mit: „Kunst ist die Darstellung von Gedanken und Empfindungen mit eigenen Mitteln." Eine sympathische Definition, schließlich gibt es ja auch andere, etwa diese: Kunst ist, wenn die richtigen und wichtigen Leute sagen, es ist Kunst. Diesen Satz hätte Weber wohl nicht unterschrieben, zu wichtig war ihm der Aspekt des spontanen, kreativen Ausdrucks, abseits von Deutungsmonopolen irgendwelcher Experten. Schröder hatte Weber schon als Schüler kennengelernt und war später sein Kollege in der Lehrerschaft des Gymnasiums. Zudem gehörte er zur Reihe derer, von denen Weber – dessen 100. Geburtsjahr die Samtgemeinde Hankensbüttel gerade feiert – einmal Karikaturen angefertigt hat. Und um diese Werke geht es in der Ausstellung, die gestern eröffnet wurde.

Auch Heribert Klose, der ein gutes Jahrzehnt lang zum selben Kollegium gehörte wie Weber, urteilte, dass für den Kunstmaler „die gestalterischen Fähigkeiten der Schüler im Vordergrund standen“. Praxis statt Theorie, Kreativität statt Kunstgeschichte. Weber, so Klose, habe die Atmosphäre am Gymnasium mit seinen Arbeiten geprägt: „Die Kunst blieb nicht im Kunstraum.“ Stattdessen fand und findet man sie an vielen Stellen in den Schulgebäuden wieder.

Von Schröder gab es viel Lob für den Weberschen Kunstunterricht: Tuschkasten, Bleistift, Linol, Wachsdrucke. Skulpturen aus Ytong. Und so weiter. „Der Unterricht war sehr vielfältig“, bilanzierte Schröder – und ergänzte, dass der Pädagoge mitunter bis zu 50 Schüler bei kreativer Laune halten musste, so groß waren die Klassen. „Da ging es dann auch mal hoch her, und Herr Weber hat dann auch mal grobe Worte gefunden. Aber das war eher die Ausnahme.“

Auch elektronisch sind die Weber-Karikaturen inzwischen für die Nachwelt gesichert. Fotos: Boden

Zur Ausstellungseröffnung waren gestern viele ehemalige Kollegen des 2002 verstorbenen Kunstpädagogen geladen, der von 1950 bis 1977 am Gymnasium unterrichtete. Kollegen, die sich mitunter auch in Karikaturen wiederfanden. Die Schule ist auch deshalb ein angemessener Ort für die Schau, weil Weber mit spitzer Feder neben zahlreichen Lehrern und Schülern auch die Mitbegründer der Bildungseinrichtung zeichnete: Heinz Burghard, Georg Kiep, Dr. Willy Ernst, Gerhard Czichos. Letzterer wohnte gestern ebenso der Eröffnung bei wie der langjährige Direktor Dr. Dietrich Korn. Dem amtierenden Schulleiter Martin Hille fiel beim Blick auf die Karikaturen auf, dass es doch manche optische Unterschiede zwischen damaligen und heutigen Lehrern gebe, insbesondere „bei der Haartracht“. Auch hatte Weber manchen Weggefährten mit Zigarette im Bild festgehalten – so etwas gehört heute freilich nicht mehr auf das Schulgelände.

Die Karikaturen-Ausstellung soll dauerhaft in der Schulbibliothek zu sehen sein und ist der Auftakt zu einer ganzen Ausstellungsreihe mit Weber-Werken. Verantwortlich für die Konzeption und Umsetzung zeichnen Ira Tolstichin und Anja Ebel (beide Samtgemeinde Hankensbüttel) sowie Johanna Gabrisch (Kreiskalender). Die Vorbereitung der Schau in der Schulbibliothek wurde maßgeblich unterstützt von den Lehrkräften Harald Witt, Antje Krummel und Andrea Grieß sowie der Bibliotheks-Mitarbeiterin Stephanie Wehmann.

Die nächste Ausstellungseröffnung – bis September 2014 sind insgesamt neun geplant – findet am 5. September um 15 Uhr bei der Volksbank in Hankensbüttel statt. Dann stehen die Volksbank-Kalender, die von Weber gestaltet wurden, im Mittelpunkt.

Von Holger Boden

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