Kloster Isenhagen: Event mit historischen Handschriften, mittelalterlichen Instrumenten, elektronischen Installationen

Wo alte Musik auf die Moderne trifft

Kloster Isenhagen

Isenhagen. „Entdecken“ ist vielleicht das Wort, das am besten zu dem passt, was alle Beteiligten – Künstler und Publikum – am 2. September in der Isenhagener Klosterkirche erwartet.

Karin Haußmann jedenfalls hat in den letzten Tagen „unglaublich sinnliche Texte mit poetischer Kraft“ für sich entdeckt. Die Musikerin bereitet sich in dem Kloster auf ein ganz besonderes Konzert vor.

„Herre, unser Herrscher“ ist die Überschrift der Veranstaltung, bei der in nicht ganz drei Monaten in den Klostermauern wohl zum ersten Mal seit rund 500 Jahren wieder öffentlich die mittelalterliche Musik erklingen wird, die vor rund fünf Jahren in alten Handschriften wiederentdeckt worden ist. Musikliebhaber im Nordkreis dürfen sich privilegiert fühlen, dass diese Veranstaltung praktisch vor ihrer Haustür stattfindet.

Sie werden am 2. September entdecken, wie die klösterliche Musik des 15., vielleicht auch frühen 16. Jahrhunderts geklungen hat, geklungen haben dürfte. Diesen Part übernimmt das Ensemble „devotio moderna“, das mit nach historischem Vorbild gebauten Instrumenten und kreativem Neu- und Nachempfinden die Spiritualität der norddeutschen Klöster lebendig werden lässt.

Das Konzert im Kloster geht aber noch zwei Schritte weiter. Die wiederentdeckte mittelalterliche Musik wird kontrastiert – oder wahlweise auch: ergänzt – mit Video- und Klang-Installationen und mit moderner Musik, die inspiriert ist von den historischen Quellen. Die Zuhörer erwartet damit ein Panoptikum christlicher Klänge und Kultur des Mittelalters, im Spannungsfeld von vorreformatorischer und nachreformatorischer Zeit, von lateinischen und deutschen Texten, von alter und neuer Musiksprache.

Und da kommt unter anderem Karin Haußmann ins Spiel. Die in Essen lebende Musikerin ist derzeit für zwei Wochen „composer in residence“ im Kloster und wird aus Isenhagen eine Fülle von Inspiration mitnehmen, um die historische Musik für ein modern besetztes Ensemble neu zu definieren. Alte Texte im Stile des alttestamentarischen Hohelieds haben es ihr besonders angetan. „Wenn ich diese alten Fragmente studiere, dann bekomme ich schon Gänsehaut.“

Äbtissin Susanne Jäger blickt mit Spannung auf den 2. September: „Man weiß ja noch nicht, was genau bei alledem herauskommen wird.“ Denn nach Haußmann werden zwei weitere Musikerinnen das Kloster Isenhagen als Domizil auf Zeit „entdecken“: Die aus Tokio stammende Komponistin Hiromi Ishii wird eine Video-Installation mit elektronischer Musik erarbeiten, die am Konzertabend gezeigt wird. Parallel dazu wird im Kreuzgang oder im Innenhof eine Klang-Installation laufen, die noch von der Musikerin Elke Swoboda entworfen werden soll. Die neuen Kompositionen sollen die Aktualität der christlichen Inhalte unterstreichen.

Ein ehrgeiziges Projekt also, das ohne seine Förderer – die Klosterkammer Hannover und die Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg – nicht möglich wäre. Vorbestellungen für Karten sind im Kloster ab sofort unter (05832) 313 möglich.

Von Holger Boden

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