Inge Blome vom Hankensbütteler Klamottenstübchen kritisiert Vorgehen bei Räumungen / Kreis weist das zurück

Ärger über Ekel-Kleiderspenden

Olga Schneider (l.) und Inge Blome sowie Ulrich Willier kümmern sich um das DRK-Klamottenstübchen in Hankensbüttel. Sie ärgern sich darüber, dass manche Kleiderspende dafür genutzt wird, um Müll loszuwerden.
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Olga Schneider (l.) und Inge Blome sowie Ulrich Willier kümmern sich um das DRK-Klamottenstübchen in Hankensbüttel. Sie ärgern sich darüber, dass manche Kleiderspende dafür genutzt wird, um Müll loszuwerden.

Hankensbüttel. Inge Blome aus Hankensbüttel ist empört und angeekelt. „Es ist nicht zu glauben“, schimpft die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin, die sich gemeinsam mit Olga Schneider und Ulrich Willier um das DRK-Klamottenstübchen am Karl-Söhle-Weg kümmert.

Mit ihrem Ärger über das Spendeverhalten mancher Leute hält sie nicht hinter dem Berg.

Das Klamottenstübchen erhielt jetzt wieder vermehrt Ekelspenden, darunter eine zerrissene kurze Hose (Foto). „Es macht oft keinen Spaß mehr“, sagt Blome. Sie freue sich wiederum aber auch sehr über gute Sachen.

Die momentane Situation ist ähnlich, wie sie im Juli 2016 schon einmal war (das IK berichtete): Vermehrt wird manche Spende ans Klamottenstübchen, das mittwochs von 10 bis 12 Uhr geöffnet ist, dazu genutzt, um Müll loszuwerden. Laut Blome handelt es sich um kaputte Teller und Tassen, verschmutzte, durchlöcherte Pullover und Hosen, verfilzte, alte Decken, Arbeitshosen mit Kalk und Farbresten sowie verschimmelte, ausgelatschte Schuhe. Sogar Töpfe und verrostete Pfannen mit Fettresten werden vorbeigebracht.

Auch diese verschmutzte lange Hose wurde im Klamottenstübchen abgegeben. 

„Ich bin erschrocken, wie unverschämt und gemein manche Leute sind“, sagt Blome. Dabei arbeite sie ehrenamtlich mit viel Zeitaufwand. „Manchmal denke ich daran, aufzuhören, denn es macht oft keinen Spaß mehr.“ Glücklicherweise würden ihr am Mittwoch Olga Schneider und Ulrich Willier dabei helfen, die Müllsäcke zu entsorgen.

„Ich bin froh, dass viele Leute auch gute, gepflegte Möbel, Teppiche, Spielsachen, Klamotten, Bettwäsche und Geschirr bringen. Vielen Dank dafür!“, betont Blome. Das baue sie wieder auf und mache Freude. Marianne Buse etwa würde für die Flüchtlingskinder auf eigene Kosten viele bunte, lustige Söckchen stricken. „Kein Deutscher und kein Flüchtling braucht Müll.“

Blome findet es „unverständlich und unglaublich“, dass der Landkreis jede Wohnung radikal leer räume, wenn der Flüchtling ausgezogen sei oder ausreisen musste. Alles lande im Container, egal wie der Zustand der Geräte und Möbel sei. Dabei handele es sich um gute Sachen, die die Helfer den Flüchtlingen besorgt und ihnen gebracht hätten. Sie frage sich, warum die Sachen nicht in der Wohnung bleiben würden, bereit für den nächsten Flüchtling. „Hat es noch Sinn, sich einzubringen, Kraft und Zeit zu opfern? Es sollte doch Hand in Hand gehen. Wir sind an der Basis und sehen, was fehlt. Wir sehen ihre körperlichen und seelischen Nöte durch persönlichen Kontakt“, sagt Blome.

Blomes Kritik war beim Kreis bislang nicht bekannt, sagt der Erste Kreisrat Dr. Thomas Walter auf IK-Anfrage. Auf welchen Fall sich Blome beziehe, sei daher auch nicht zuzuordnen. Generell statte der Kreis dezentrale Wohnungen mit einer Grundausstattung aus. Zudem finde immer eine Grundreinigung statt. Wenn Menschen ausziehen, würden aus hygienischen Gründen die Matratzen ausgetauscht. „Alles andere bleibt grundsätzlich drin“, sagt Walter. Nur kaputte Gegenstände würden entsorgt – alles, was noch zu gebrauchen sei, bleibe erhalten oder werde bei einem Umzug den Flüchtlingen mitgegeben. „Wir können die Kritik nicht nachvollziehen“, sagt Walter. Schließlich sei man auch stark gehalten, mit Steuergeldern nachhaltig umzugehen.

Die Flüchtlinge würden mit Briefen kommen, die sie nicht verstehen können und die Helfer manchmal auch nicht, schildert Blome. Walter betont, dass in solchen Fällen natürlich geholfen werde, etwa bei den Runden Tischen oder bei der Stabsstelle Integration als Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen.

Von Paul Gerlach

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