Naturpädagogisches Konzept kommt Kita nicht nur in Corona-Zeiten zu Gute

Alt-Isenhagen: Abstand halten ist im Wald kein Problem

Die Erzieherinnen Regina Wolff-Hornig (l.) und Claudia Fäsche im Morgenkreis der Waldkita bei Alt-Isenhagen: Dort befinden sich aktuell zwei Kinder in der Notbetreuung, in Kürze werden es vier sein. Der Bedarf wächst.
+
Die Erzieherinnen Regina Wolff-Hornig (l.) und Claudia Fäsche im Morgenkreis der Waldkita bei Alt-Isenhagen: Dort befinden sich aktuell zwei Kinder in der Notbetreuung, in Kürze werden es vier sein. Der Bedarf wächst.
  • Paul Gerlach
    vonPaul Gerlach
    schließen

Wie ist aktuell der Berufsalltag in einer Waldkita in Corona-Zeiten? Erzieherin Regina Wolff-Hornig bringt es auf den Punkt: „Alles ist derzeit reduziert.

Alt-Isenhagen – “ In der „Ameisenhaufen“-Gruppe der Waldkita bei Alt-Isenhagen – bei der alle 20 Plätze besetzt sind – sind momentan lediglich zwei Kinder vor Ort in der Notbetreuung. In Kürze werden es vier sein, da der Bedarf steigt. Trotzdem natürlich eine ungewohnte Situation in dieser kleinen Besetzung.

„Wir vermissen die anderen Kinder sehr“, sagt Wolff-Hornig. Vom Arbeiten her sei es kein Vergleich zu Regelgruppen. „Wir sind überwiegend draußen.“ Mit dem Einhalten des Abstandes sei es im Wald einfacher als in Gruppenräumen, gelüftet werden braucht auch nicht und selbst Singen sei dort möglich. Mit den Eltern sei man ständig im Gespräch, wo in diesen schwierigen Zeiten der Schuh drückt. Kita-Leiterin Marion Wallmann-Dreyer unterstreicht, dass man im Austausch mit familienunterstützenden Diensten sei. Die Eltern brauchten nun – ebenso wie ihre Kinder – Unterstützung, die Begleitung und ein offenes Ohr. Neben pädagogischen gibt es auch finanzielle Sorgen in den Familien, weiß Wallmann-Dreyer. „Da kommt viel zusammen.“

Der Bewegungsdrang der Kinder wird in der Waldkita gut bedient. Dieses andere Umfeld macht die Kita besonders, sagt Wolff-Hornig. Umgeben von Natur würden sich die Kinder entspannen. Die tiergestützte Pädagogik gibt es in der bislang ausgeprägten Form so nicht mehr, da sich Erzieherin Sarah Behrendt beruflich verändert hat. Aber das Aquarium ist zur Freude der Kinder noch da. Ohnehin kommen sie auch so mit den Tieren im Wald Kontakt und können sie in deren Lebensraum beobachten – ob nun Regenwürmer, Ameisen oder Käfer. Wolff-Hornig: „In dem Alter lieben Kinder alles, was kriecht und sich bewegt.“ Die Tiere würden dort belassen, wo sie gefunden wurden. Es geht um Wertschätzung und „eine tolle Form des Miteinanders“, sagt die Erzieherin.

Im Sommer wird auch draußen gegessen, die Kinder sind ungefähr 90 Prozent der Zeit draußen. Nur bei Sturm oder großer Kälte geht es ins Gebäude. Dort kann dann auch die Kleidung getrocknet werden. Morgens wird zur Begrüßung stets ein Kreis gebildet. „Das ist sehr positiv für die Kinder“, sagt Wolff-Hornig. Ihre Beobachtung insgesamt: Die Kinder der Waldkita werden in Konfliktsituationen belastbarer und strotzen vor Fantasie.

Durch die Pandemie hat sich am Konzept inhaltlich nichts geändert. Künstliche Spielzeuge werden ohnehin kaum gebraucht – auch wenn sie im Gebäude vorhanden sind. Bei Ausflügen am Elbe-Seitenkanal ist Abstand halten zu anderen Menschen angesagt. Das funktioniert gut, weil sich an die Regeln gehalten wird. Gerade bei den Spaziergängen wachsen die drei- bis sechsjährigen Kinder kräftemäßig über sich hinaus. Das Konzept hält Wolff-Hornig gerade für einen ländlich geprägten Raum, in dem sich auch Strukturen verändern und nicht mehr jeder ein Gartenstück hat, für geeignet.

Neben Wallmann-Dreyer, Wolff-Hornig und einer Auszubildenden komplettiert Claudia Fäsche das Team. Sie findet: „Wir haben gegen alle Widrigkeiten das Beste daraus gemacht.“ Der Austausch mit anderen Kitas und der Grundschule werde stets aufrechterhalten. Für die Unterstützung durch die Eltern sei man sehr dankbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare