Hendrik Hopfenblatt aus Bremen nimmt Sound in Isenhagen und Hankensbüttel auf

Ein 17-Jähriger und fast 550 Glockengeläute

Ein Sachkundiger bei der „Arbeit“: Der 17-jährige Hendrik Hopfenblatt aus Bremen besuchte jetzt die Isenhagener Klosterkirche und die Hankensbütteler St. Pankratiuskirche. Vor Glocke 2 in Isenhagen machte er ein Selfie.
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Ein Sachkundiger bei der „Arbeit“: Der 17-jährige Hendrik Hopfenblatt aus Bremen besuchte jetzt die Isenhagener Klosterkirche und die Hankensbütteler St. Pankratiuskirche. Vor Glocke 2 in Isenhagen machte er ein Selfie.

Isenhagen/Hankensbüttel – Ein Gast mit einem besonderen Interesse und einem ungewöhnlichen Ansinnen besuchte am vergangenen Samstag die Isenhagener Klosterkirche und die Hankensbütteler St. Pankratiuskirche.

Hendrik Hopfenblatt aus Bremen, 17 Jahre alt, hat ein klangvolles Hobby – er erfasst die Daten und den Sound von Kirchenglocken. Bislang hat er 545 Glocken auf 193 Kirchtürmen dokumentiert – inklusive Isenhagen und Hankensbüttel.

„Mein Interesse an Kirchenglocken zeigte sich 2011 im Alter von acht Jahren. Wir waren damals in einem Sommerurlaub in Kroatien und bestiegen dort einen Kirchturm, um die Aussicht zu genießen. Dabei fing auf einmal eine Glocke an zu läuten“, schildert der junge Mann. Dieser Ton faszinierte ihn damals überaus stark. So sehr, dass er sich dachte: „Toll, da bleibe ich dran!“

Seit 2016 besteigt der Schüler regelmäßig Kirchtürme und hält den dort hängenden Bestand fest. „Jede Glocke ist einzigartig.“ Glocken würden über verschiedene Merkmale verfügen, die sie auszeichnen: der Klang, die Zierde, die Inschriften, die Form, den Gießer oder auch das Gussjahr. „Gerade diese Umstände faszinieren mich enorm. Wenn man auf einem Kirchturm steigt, weiß man nie, was einen erwartet.“

Die beiden Geläute in Isenhagen und Hankensbüttel haben Hopfenblatt außerordentlich gut gefallen. Das Zimbelgeläut in Isenhagen sei, bedingt durch seine Kleinheit, sicher einzigartig in der Region. Zudem habe sich dort die einzige bekannte Glocke Hans Hesses erhalten. „Das Hankensbütteler Geläut ist enorm wertvoll, zumal es mit sieben Glocken das glockenreichste Dorfgeläut Niedersachsens ist.“ Es verfüge mit vier historischen und drei modernen Glocken über einen außerordentlich bunten Bestand. „Als ich das volle Geläut läuten durfte, wollte ich es nicht mehr ausschalten.“

Hopfenblatts Interesse ist so groß, dass er sein Hobby zum Beruf machen möchte. Er sitzt derzeit an seinem Abitur. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es auf ein Ingenieurs- oder Architekturstudium hinauslaufen. „Fest steht, dass ich auf jeden Fall die Ausbildung zum Glockensachverständigen machen möchte – es ist kein Ausbildungsberuf.“ Später möchte er, sofern sich die Chance ergibt, für eine Landeskirche oder für ein Bistum als Glockensachverständiger tätig sein. Ein Praktikum in der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock im westfälischen Gescher hat er im März/April 2017 bereits absolviert. „Es hat mir gezeigt, dass die Entstehung einer Glocke sehr lange dauert und es harte Arbeit ist, die sich lohnt.“

Klang- und Kostproben des Hobbys gibt es unter www.glockenfreund.de, www.youtube.com/c/glockenhenry und beim Projekt „#createsoundscape“ unter www.createsoundscape.de. Bei letzterem handelt es sich um eine Datenbank – mit dem Ansatz, irgendwann die deutsche Glockenlandschaft komplett dokumentiert zu haben.

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