Mit 2 Millionen Dollar im Gepäck

9/11, Afghanistan und ein Soldat aus Emmen in Kabul

Feldlager der Bundeswehr in Kabul in 2002.
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Das Camp in Kabul: Das Feldlager der Bundeswehr lag mittendrin – und direkt am Flughafen, der durch die aktuellen Ereignisse in Afghanistan weltweit über die Bildschirme flimmerte. Der Flughafen liegt fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.
  • Paul Gerlach
    VonPaul Gerlach
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Emmen/Kabul – 162 Tage Gefahr, Improvisation, Staub, Hitze, Kälte – die Zeit beim ISAF-Einsatz in Afghanistan wird Uwe Weber aus Emmen, damals Kompaniefeldwebel („Spieß“) bei der Bundeswehr, nie mehr vergessen. Auf den Tag genau 20 Jahre nach 9/11 – den Terroranschlägen in 2001 auf das World Trade Center in New York – blickt er auf die damaligen Ereignisse und die heutige Situation im Land am Hindukusch zurück. Aus seiner Sicht sind so einige Lehren daraus zu ziehen.

Dass er in Afghanistan eingesetzt werden würde, zeichnete sich für Weber schon recht früh ab. „Wer im KFOR- Einsatz 2001 einen guten Job macht, der ist eher dran.“ Wenige Wochen nach 9/11 kam aus der Heeresflieger-Operationszentrale in Mendig ein Wink: Er sei gerade als Spieß einer Staffel in Kabul beim 2. Kontingent gesetzt. Tatsächlich alarmiert wurde Weber dann bei einem Frisör-Besuch bei Bodo Hüser Anfang März 2002.

Nach der Übergabe seiner Dienstgeschäfte an der Offizierschule des Heeres reiste Weber als Ersatz für einen ausgefallenen Spieß von Köln über Termes (Usbekistan) nach Kabul, das 1800 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Weber: „Bereits in Köln-Wahn erkannte ich, wie überhastet der Bundeswehr-Einsatz befohlen worden war.“ Ein bewaffnetes Kommando übergab ihm einen Persilkarton mit vergessenen, geheimen und verschlüsselten Dokumenten. Dies steigerte sich bei der Zwischenlandung in Termes – „als mir zusätzlich 2 Millionen Dollar in einer Feldkassette anvertraut wurden“. Die Brigade-Truppenverwaltung Kabul hatte diese vergessen.

Sein neuer Kommandeur empfing Weber auf der Transall-Rampe mit den Worten „Wir sind seit drei Wochen ohne Spieß.“ Er bekam den Auftrag, die auseineinander gedriftete Einheit mit 96 Soldaten und das Lager wieder in Ordnung zu bringen – was ihm in Zusammenarbeit mit den Beteiligten durch verschiedene Maßnahmen nach und nach gelang.

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