Landgericht Hildesheim setzt Prozess aus / Neues Gutachten erforderlich

Zweifel an Vergewaltigungsvorwürfen

aja Hildesheim. Der Prozess gegen den Mann, dem vorgeworfen worden war, vor neun Jahren zwei damals minderjährige Kusinen an ihrem Urlaubsort, aber auch im Kreis Gifhorn, missbraucht zu haben (das IK berichtete), ist endgültig geplatzt.

Schon vor den Weihnachtsferien hatte die Große Jugendkammer am Landgericht Hildesheim den Prozess unterbrochen, um ein neues Gutachten über die Glaubwürdigkeit der beiden Zeuginnen einzuholen. Weil sich das allerdings nicht in der kurzen Zeit von drei Wochen, die ein Strafprozess unterbrochen werden darf, bewerkstelligen ließ, muss das Verfahren ausgesetzt werden, teilte auf Anfrage des IK der Sprecher im Hildesheimer Landgericht, Richter Felix Muntschick, mit: „Es hat sich erst im Prozess herausgestellt, dass ein Obergutachten erstellt werden muss. “ Der Prozess müsse nun, wenn ein neuer Gutachter gefunden und das Gutachten fertig gestellt ist, noch einmal von ganz vorne begonnen werden. „Bei der Aussetzung eines Verfahrens kann nicht – wie etwa bei der Unterbrechung – das bisherige Prozessgeschehen verwertet werden, sondern alle Feststellungen und Prozessschritte müssen noch einmal in der öffentlichen Sitzung neu erarbeitet werden“, so Muntschick.

Mit der Anordnung eines neuen Gutachtens war die Kammer einem Antrag der Ersten Staatsanwältin Christina Panneck gefolgt, weil sich bei der mündlichen Erstattung der ersten Gutachterin Susanne Cordes-Welzel Abweichungen ergeben hatten, die Zweifel an den erlebnisbasierten Aussagen der beiden inzwischen erwachsenen Zeuginnen aufkommen ließen.

Vor neun Jahren, so hatten die beiden jungen Frauen bei der Polizei und später im Gerichtssaal angegeben, seien sie während eines Urlaubs in einem Urlaubsressort in Hurghada (Ägypten) von dem 44-jährigen Bekannten ihrer Väter sexuell missbraucht worden. Er habe sie zu sexuellen Handlungen genötigt und auch mit ihnen den Beischlaf vollzogen, lautete daher der Vorwurf in der Anklageschrift auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen und Vergewaltigung. Doch während der Beweisaufnahme deuteten Anhaltspunkte darauf hin, dass die Angaben der beiden Zeuginnen erfunden sein könnten. Der Beschluss der Kammer, das Verfahren auszusetzen, verfolge allein das Ziel, alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Sachverhalt vollständig zu erforschen, hieß es am Landgericht.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare