Landkreis hat Vertrag mit Malteser Rettungsdienst überraschend gekündigt

Zoff um Krankentransporte

dpa

Landkreis Gifhorn. Nur vier Monate nach Abschluss des Leitstellenvertrages mit dem Malteser Rettungsdienst hat der Landkreis Gifhorn die Zusammenarbeit zum 29. Februar überraschend gekündigt.

Erst im November hatte die Kreisverwaltung den Maltesern die Genehmigung erteilt, den qualifizierten Krankentransport im Kreis mit zwei eigenen Fahrzeugen zu unterstützen. Die Zuweisung der Fahrten erfolgte durch die Gifhorner Einsatzleitstelle.

„Diese Entscheidung können wir uns überhaupt nicht erklären“, sagt Rolf Krawietz, Dienststellenleiter der Malteser Gifhorn und Wolfsburg, auf IK-Anfrage. Denn schließlich sei es der Landkreis gewesen, der die Malteser gefragt habe, ob sie von der Leitstelle disponierte Transporte übernehmen wollen.

„Es war in jeder Hinsicht eine gute Zusammenarbeit“, bilanziert Krawietz. „Wir haben auch Notfalleinsätze von der Leitstelle vermittelt bekommen.“ Die Kunden hätten sich positiv über die Arbeit der Malteser geäußert, und nicht zuletzt sei man der günstigste Anbieter vor Ort, sagt Krawietz. „Ohne dass irgend etwas vorgefallen ist, hat man uns den Vertrag in kürzester Zeit gekündigt. Das können wir nicht nachvollziehen.“ Die Bitte der Malteser, die Vereinbarung zumindest bis Ende März laufen zu lassen, habe der Landkreis abgelehnt.

Michael Funke, zuständiger Fachbereichsleiter in der Kreisverwaltung, erklärt die Vertragsbeendigung mit dem „Spannungsverhältnis“, das nach der Auftragsvergabe an die Malteser entstanden sei. Auf der einen Seite gebe es die öffentlich Beauftragten im Rettungsdienst – das DRK und zwei private Krankentransport-Anbieter aus dem Kreis Gifhorn. Auf der anderen Seite stünden die Malteser, die Transporte nur mit einer Genehmigung und somit außerhalb des Rettungsdienstes anbieten.

Die Disponierung von Fahrten über die gemeinsame Einsatzleitstelle könne zu größeren Problemen führen, befürchtet der Landkreis. „Wir haben gemerkt, dass eine gewisse Konkurrenzsituation entstanden ist und wir zwischen die Stühle geraten sind“, begründet Funke die Kündigung des Vertrages.

Die Malteser haben daraus Konsequenzen gezogen und planen ihre Krankentransporte im Landkreis Gifhorn seit gestern in eigener Regie und nicht mehr über die Einsatzleitstelle. „Es bestehen Verträge mit allen Krankenkassen, so dass die Kosten in gewohnter Weise übernommen werden“, betont Malteser-Pressereferentin Sabine Jüttner. Der Malteser-Krankentransport kann ab sofort unter der kostenlosen Rufnummer 08 00-1 91 92 22 bestellt werden.

Von Bernd Schossadowski

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