Zivilcourage jetzt!

Landkreis Gifhorn - Von Carola Peiser. Was tun, wenn ein Fahrgast im Bus von einer fremden Person angegriffen wird - verbal oder körperlich? Warten, bis sich ein anderer einmischt oder einfach selbst die Intiative ergreifen? Die Entscheidung, Zivilcourage zu zeigen, muss jeder für sich selbst treffen. Jüngstes Beispiel für Zivilcourage ist eine Frau gewesen, die zwei bewaffnete und maskierte Jugendliche in die Flucht geschlagen hat, als sie in Gifhorn eine Spielothek überfallen wollten.

Unterstützung bei der Entscheidung einzugreifen, soll die Qualifizierungsmaßnahme für Multiplikatoren „Entschieden! – Zivilcourage jetzt“ geben, die die Gifhorner Kreisvolkshochschule vom 19. September 2011 bis zum 30. November 2012 in mehreren Blöcken anbietet. Besonders freut es Ulf Neumann, dass der Landespräventionsrat Niedersachsen das Konzept der KVHS finanziell unterstützt und die Umsetzung der Fortbildung genehmigt. „Niedersachsenweit werden fünf Projekte durch Landesmittel des Justizministeriums gefördert - und wir sind dabei. Immerhin handelt es sich um 13 000 Euro und die Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg beteiligt sich auch mit 1500 Euro“, freut sich Neumann.

Die Teilnehmerzahl der Gruppe soll 10 bis 15 Personen umfassen. Wie Neumann erläutert, soll es dabei nicht zwingend um Sozialarbeiter gehen, die sprechen wir gezielt an, sondern um Menschen wie du und ich oder Trainer in Sportvereinen. Zivilcouragiertes Verhalten ist nicht alltäglich, so Neumann. In der Qualifizierungsmaßnahme wird gezielt trainiert, Situationen richtig zu erkennen, ohne persönliche Nachteile oder körperliche Schädigungen befürchten zu müssen. Den Teilnehmern wird quasi praktisch und theoretisch das Handwerkszeug vermittelt. Dabei wird das Projekt von geschulten und erfahrenen Referenten wie Professor Dr. Susanne Schlabs von der Fachhochschule „Ostfalia“ begleitet. Neumann: „Wir erhoffen uns dadurch einen Schneeballeffekt.“ Abschließend erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, das sie als Trainer für Gewaltprävention und Zivilcourage ausweist. Eine Buchpublikation aller Teilnehmer und der Referenten soll es auch geben.

Laut Kriminalstatistik der Polizeiinspektion Gifhorn weist in 2009 die Stadt Gifhorn 40 Prozent aller Straftaten im Kreis Gifhorn auf. Schwere Körperverletzungen nehmen zwar ab, aber Beleidigungen und Sachbeschädigungen nehmen zu. „Es geht auch um die Frage, warum, aus welchem Grund habe ich nicht geholfen, warum bin ich erstarrt?“, erläutert Erik Weckel, Dozent an der FH Ostfalia. Es ginge nicht darum, sich in Gefahr zubringen, sondern eine Situation zu unterbrechen und die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen und dem Opfer Unterstützung zu vermitteln.

Die Kosten für die einjährige Fortbildung belaufen sich auf 150 Euro. Informationen und Anmeldung sind möglich bei Ulf Neumann, (0 53 71) 8 24 32. Weitere Infos: http://www.kvhs-gifhorn.de.

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