Festakt zum 100. Gründungstag von Heimatverein und Museum in Gifhorn

Zeit der Veränderungen

Die Ausstellung zu den Jubiläen in der Kasematte des Gifhorner Schlosses ist noch bis zum 16. November geöffnet.
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Die Ausstellung zu den Jubiläen in der Kasematte des Gifhorner Schlosses ist noch bis zum 16. November geöffnet.

Landkreis Gifhorn. Der 20. Februar 1914 war ein grauer, aber milder Tag. Und es war eine Zeitenwende. „Unsere Heimat wird uns mit jedem Tag mehr verschandelt. Hier tut Hilfe Not“, so ist überliefert, bemerkte ein heute nicht mehr bekannter Gifhorner.

Jetzt, am 20. Februar 2014, war wieder ein milder, aber freundlicher Tag, wie Antje Präger, Vorsitzende des Museum- und Heimatvereins (MHV), nun anmerkte. Was damals geschah, die Gründung des MHV durch 30 Gifhorner Herren im Töttlerschen Saal und gleich darauf die Gründung des Heimatmuseums, feierten jetzt mehr als 200 Gästen aus dem Landkreis im Rittersaal des Schlosses.

Dass 2014 ein vielfältiges Jubiläumsjahr ist, mit dem Beginn des ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und dem Beginn des zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren, darauf wies Kreisrat Detlev Loos hin. Die beiden Gifhorner Jubiläen zählte er dagegen zu den positiven Ereignissen.

Finanziell angestoßen wurde das Projekt MHV, das sich ein Heimatmuseum als Ziel gesetzt hatte, vom Gifhorner Kaufmann Alexander Menke. Den damaligen Gifhorner Bürgermeister und vor allem Landrat Eugen von Wagenhoff konnte er von seinen Plänen überzeugen, von Wagenhoff übernahm dann auch den Posten des Vorsitzenden. „Damals war eine Zeit des gesellschaftlichen Wandels“, erinnerte Loos. Eisenbahn, Straßen, Industrie veränderten die Region, Sehnsucht nach Natur machte sich breit. Das machte auch Präger deutlich. „Gifhorn hatte 5000 Einwohner, war landwirtschaftlich geprägt – mit Handwerkern und der ersten industriellen Entwicklung durch die Glashütte Limberg. Die erste katholische Kirche und der Bahnhof Isenbüttel wurden gebaut. Es war eine Zeit der Veränderungen und der Verunsicherungen.“

Verein und Heimatmuseum kamen kurz nach ihrer Gründung durch den ersten Weltkrieg ins Stocken, 1921 zog das Museum aus der alten Schule in die Präparandenanstalt und 1923 in die Schlosskapelle um. „Geträumt wurde immer von einem eigenen Gebäude“, sagte Präger, doch die Frage nach dem Geld sei damals so aktuell wie heute. „Ich wünsche mir daher ein deutliches politisches Signal“, sagte die Vorsitzende.

1970 ging die Trägerschaft der nun Kreisheimatmuseum genannten Einrichtung an den Landkreis, der MHV engagiert sich bis heute bei der Förderung und dem Einwerben von Geldern, organisiert Vorträge, Besichtigungen und Ausflüge, zählte Präger auf. Die archäologische Arbeitsgemeinschaft, die AG Flurnamen und die Gartenfreunde des Kavaliershauses sind im MHV zu finden.

Dr. Kathrin Höltge vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur hob die Wichtigkeit von Museen hervor. „Museen konkurrieren heute mit dem Freizeitmarkt. Daher müssen sie ihre Inhalte im aktuellen Kontext transportieren“, sagte sie. Ohne bürgerliches Engagement gäbe es die meisten Museen nicht. Museen müssen sich ändern, auch angesichts der neuen Techniken, fügte Kreisarchäologe Dr. Andreas Wallbrecht hinzu. Doch seien Originalexponate, zentrale Punkte in Museen, nicht zu ersetzen. Nur ein Bruchteil der vielen Museen, die vor rund 100 Jahren gegründet wurden, habe bis heute überlebt.

Vor Eröffnung der Ausstellung zu beiden Jubiläen in der Kasematte überreichte Wallbrecht je einen Gnadenpfennig, einen Orden von Herzog Franz, an Präger, Kreisrat Loos, den langjährigen Museumsleiter Dr. Jürgen Conrad, Irene Siemann, Geschäftsführerin der Bildungs-GmbH, und Ausstellungskuratorin Birthe Lehnberg.

Von Burkhard Ohse

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