Parasiten fühlen sich in jetziger Witterung wohl / Blutsauger bis Oktober aktiv / Lange Kleidung schützt vor Bissen

Zecken-Gefahr steigt an

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Krabbelnde Blutsauger: Zecken sind in der Natur noch bis Oktober aktiv und können Borreliose übertragen.
  • VonMatthias Jansen
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Gifhorn. Erst feucht-warm, dann wieder kühl. Bei den Menschen führt die derzeitige Witterung nicht wirklich zu Freudensprüngen. Im Gegensatz zu den Zecken: Die achtbeinigen Parasiten fühlen sich momentan sehr wohl.

Das niedersächsische Landesgesundheitsamt warnt deshalb vor einer größeren Gefahr.

Einen Anstieg der Erkrankungen nach einem Zeckenbiss kann Josef Kraft, Leiter des Gesundheitsamtes im Landkreis Gifhorn, nicht feststellen. Das liege aber nur daran, dass die durch Bakterien ausgelöste Borreliose, die Zecken in Niedersachsen übertragen können, nicht meldepflichtig ist. Die Gefahr eines Zeckenbisses, erklärt Kraft, sei von März bis Oktober aber stets vorhanden.

„Optimal für Zecken sind Temperaturen ab acht Grad. Dann fühlen sie sich wohl und bleiben aktiv“, erklärt der Leiter des Gesundheitsamtes. Vor allem in Gräsern oder Büschen – knapp einen halben Meter über dem Erdboden – warten die Zecken auf ihre Nahrung: Blut. Dabei ist es den zwischen 2,5 und 4 Millimeter großen Tieren egal, ob sie einen Mensch oder ein Tier anzapfen. Springen oder vom Baum fallen können Zecken nicht. Notwendig ist ein direkter Kontakt. In Sekundenbruchteilen klammern sich Zecken an ihren Opfern fest.

Wirksamster Schutz vor den bissigen Bakterienwirten sei eine entsprechende Kleidung, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes. Eine lange Hose sollte beim Spaziergang in der Natur getragen werden, bestenfalls in die Socken gestopft werden. „Dann kann die Zecke nicht hochkrabbeln. Sie suchen sich immer eine warme Stelle“, so Kraft. Der Kopf sei zusätzlich mit einer Mütze zu bedecken. Am Krankenbereich soll ebenfalls kein Platz gelassen werden. „Da muss die Kleidung enger werden“, erklärt Kraft.

Nach der Rückkehr aus der Natur sei der Körper sorgsam nach Zecken abzusuchen. Eine Bissstelle, so Kraft, würde sich – selbst wenn ein Blutsauger übersehen wird – durch Juckreiz „bemerkbar machen“. Dann rät der Mediziner, müsse der Betroffene die Zecke entfernt werden – „ohne sie zu ärgern“.

Beim Ziehen der Zecke ist Vorsicht geboten

Ein roter, juckender Fleck auf der Haut und mittendrin ein schwarzer Punkt... Wahrscheinlich hat eine Zecke zugebissen. Die Gefahr, von diesem Blutsauger angezapft zu werden, ist derzeit besonders groß, sagt Josef Kraft, Leiter des Gifhorner Gesundheitsamtes.

Von den Parasiten werden Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Allerdings ist die Gefahr, durch die virale FSME an einer Hirnhautentzündung zu erkranken, im Landkreis nicht gegeben. „Die FSME wird von Zecken im süddeutschen Raum übertragen. Das beginnt ab Fulda. Damit haben wir in dieser Region nichts zu tun“, so Kraft.

Ein Biss einer Zecke muss auch nicht zwangsläufig zu einer Borreliose beim Menschen führen. Nur rund 25 Prozent der Tiere sollen die Bakterien in sich tragen. Ein Biss führt nur bei sechs Prozent zu einer Infektion. Das berichtet der NDR unter Berufung auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Ein Drittel der Infizierten klagt über Beschwerden.

Ein Zeckenbiss, so Kraft, würde sich bemerkbar machen. Zunächst über den Juckreiz. Um die Bissstelle entsteht eine Wanderröte. Dieser mehrere Zentimeter große Bereich vergrößert sich über Tage. Weitere Symptome sind Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen, können aber auch bis zu Entzündungen und Lähmung reichen. Kraft empfiehlt sich auf einen Spaziergang in der Natur passend mit den Körper bedeckenden Anziehsachen und einer Kopfbedeckung vorzubereiten. Nach der Rückkehr wird geraten, den Körper auf Zecken abzusuchen. Hat sich ein Parasit festgebissen, muss er schnell entfernt werden. Entweder von einem Arzt oder mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte. Die Werkzeuge gibt es in der Apotheke.

„Die Zecke sollte vollständig mit dem Kopf entfernt werden“, rät Kraft. Und der Parasit sollte „nicht geärgert werden“. Dann könnte es passieren, dass die Zecke die Bakterien absondert. Die Zecke kann gezogen werden, indem das Tier dicht über der Haut mit Zange oder Pinzette gefasst und leicht rüttelnd herausgezogen wird. Der Körper der Zecke sollte nicht gedrückt werden. Eine Impfung gegen Zecken gibt es laut Kraft nicht. Vielmehr sei der bis zu zehntägige Einsatz von Antibiotika bei einer Borreliose sehr effektiv.

Von Matthias Jansen

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