Die Initiative Familienhebammen im Landkreis Gifhorn

Zum Wohle der Familie

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Im Awo-Beratungszentrum unter der Leitung von Carsten Bromann (r.) werden die Familienhebammen unterstützt.

Gifhorn. Die Initiative Familienhebammen wurde deutschlandweit im Landkreis Gifhorn zuerst ins Leben gerufen. Inzwischen ist sie in ganz Deutschland etabliert.

Während Hebammen die jungen Familien bis zu acht Wochen nach der Geburt betreuen, ist das Angebot bei den Familienhebammen vielfältiger. Sie sind für den darüber hinausgehenden Mehrbedarf zuständig. „Mit der Initiative sollen Familien in einer sehr sensiblen Phase unterstützt werden“, sagt Carsten Bromann, Leiter des Awo-Beratungszentrums in der Gifhorner Oldaustraße.

Seit fünf Jahren wird das Projekt mit Bundesmitteln gefördert, im Landkreis werden jedes Jahr 50 bis 70 Frauen und Familien unterstützt. Die Hilfe umfasst den Zeitraum der Schwangerschaft bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres des Kindes. „Eine Hilfe bereits in der Schwangerschaft gab es von kommunaler Seite bis dahin nicht“, sagt Bromann. Sieben Familienhebammen stehen landkreisweit derzeit für diese Hilfe zur Verfügung. Die Aufgabe des Awo-Beratungszentrums besteht in der Fortbildung, der Supervision und dem Qualitätsmanagement für die Familienhebammen, führt Bromann aus. Zudem erfolgt eine fachliche Begleitung durch den Landkreis. Dazu wird das Team durch Familienkinderkrankenpflegerin Mandy Paproth vervollständigt.

Gedacht ist der Einsatz von Familienhebammen in erster Linie bei Problemen, die bis zu größeren psychischen Belastungen bei den Eltern oder Drogenmissbrauch gehen, aber auch bei Problemen mit der Bürokratie. Dafür sind die Familienhebammen extra geschult, sagt Bromann. „Ganz wichtig ist, dass der Mehrbedarf der Familien von den Familien selber formuliert wird“, sagt Familienhebamme Stefanie Winter. „Insofern ist das Angebot niederschwellig. Es ist für diejenigen gedacht, die mehr Unterstützung möchten.“

Möglichkeiten sind breit gefächert

Konkrete Anlässe können unter anderem auch Mehrlingsgeburten, ein abruptes Ändern der Lebensumstände, wirtschaftlich schwache Familien, minderjährige Schwangere oder kranke Kinder sein. „Die Möglichkeiten, für die Hilfe in Anspruch genommen werden können, sind sehr breit gefächert“, betont Bromann. Auch die Länge der Hilfedauer ist individuell. Lediglich der 1. Geburtstag steht als letztmöglicher Tag fest. Danach greifen andere Hilfsangebote. „Insgesamt wollen wir mit dem Angebot auch die Beziehung zwischen Mutter, Vater und dem Kind unterstützen“, sagt Bromann.

Auf die Hilfe durch Familienhebammen weisen sehr viele Institutionen hin. So kann man sich an die eigene Hebamme wenden, über den Landkreis oder über das Krankenhaus an diese Hilfe verwiesen werden. Die Familienhebammen sind über den gesamten Landkreis verteilt. So ist sichergestellt, dass die Wege kurz sind, um mehr Zeit für die Familien zu ermöglichen. Geplant ist eine Hilfe ein- bis zweimal pro Woche für zwei Stunden. „Das wird sehr flexibel gehandhabt“, so Bromann. Entscheidungen treffen die Familien und die Familienhebammen gemeinsam, die Bedürfnisse der Familien stehen im Vordergrund. Ein Antrag muss nicht gestellt werden, das Angebot ist für die Familien kostenfrei. „Das Angebot ist auch deshalb notwendig, weil viele junge Frauen und Familien in der heutigen Zeit verunsichert sind. Das soziale Netzwerk dünnt sich immer mehr aus“, sagt Christine Gehrmann, Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis. „Früher wurde etliches in der Familie geregelt und geholfen.“ Eine Familienhebamme soll heute die nötige Sicherheit geben.

Weitere Infos gibt es bei der Awo-Beratungsstelle unter (05371) 754741 oder beim Landkreis unter (05371 82637).

Von Burkhard Ohse

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