Tierschutz Isenhagener Land: Flut der Fundtiere reißt nicht ab

„Wir haben kein Geld mehr“

Glück im Unglück hatte dies etwa zehn Wochen alte Katze. Sie wurde samt Transportbox in Wierstorf ausgesetzt. Für Hinweise ist der Tierschutz dankbar.

Isenhagener Land. Eine kleine schwarze Katze, gerade einmal zehn Wochen alt, wurde vor irgendeinem Haus in Wierstorf ausgesetzt.

Die Menschen sind wohl davon ausgegangen, dass es etwas dauern könnte, bis das Kätzchen gefunden wird, denn die Transportbox war kälteisoliert sowie mit Futter und Wasser ausgestattet.

Wie Reiner Sudbrack vom Tierschutz Isenhagener Land gegenüber dem IK verlauten lässt, handelt es sich dabei um keinen Einzelfall. Das dramatische an der Geschichte: „Wir haben kein Geld mehr, um noch weitere Tiere aufzunehmen. Unsere Auffangstation platzt aus allen Nähten“, weiß Sudbrack. Oft muss das „Fundtier“ ja auch tierärztlich versorgt werden, geimpft und entfloht. „Da ist man dann schnell 100 Euro los“, weiß der Tierschützer. Und wenn das Tier dann noch krank ist, muss es auch wieder aufgepäppelt werden.

„Die Kosten rauben mir den Schlaf. Das Budget ist für 2011 aufgebraucht. Wir können einfach keine Katzen mehr aufnehmen“, beklagt Sudbrack. Streunende Katzen schon gar nicht, es sei denn sie sind verletzt durch Revierkämpfe oder von einem Auto angefahren. Dann werde man sich um die Katzen kümmern, sie aber dann, wenn sie genesen sind, wieder an der Fundstelle aussetzen. Sudbrack: „Was kaum einer weiß: Wer eine wilde Katze anfüttert, der muss sich dann auch um das Tier kümmern.“ Erst kürzlich erhielt Sudbrack einen Anruf von einem Mann, der sein Feriendomizil auflösen möchte, weil seine Frau verstorben ist. Die hatte aber durch Füttern eine Katze angelockt. Wohin nun mit diesem Tier? Wie Sudbrack berichtet, will und kann der Mann das Tier nicht mitnehmen. „Und solche Fälle haben wir sechs Mal in der Woche“, informiert Sudbrack.

Aber nicht nur Katzen werden bei einem Umzug einfach zurückgelassen. Auch Fische, Schildkröten Vögel oder Meerschweinchen blieben in Kästen oder Käfigen vor der Haustür zurück. „Wo ist nur das Gewissen der Menschen geblieben? Wenn ich schon eine Kiste sehen, ahne ich böses“, zeigt Sudbrack Unverständnis. Alles wäre keine Problem, wenn der Tierschutz denn das nötige Kleingeld hätte. Die Situation sei verheerend, Spenden in Zeiten wie diesen dringend nötig. Um so verheerender, wenn Leute nicht die Rechnung bezahlen. „Man kann ein verletztes Tier doch nicht seinem Schicksal überlassen. Und wenn man dann den Besitzer ausfindig machen kann, dieser sich aber weigert zu zahlen – wo bleibt die Moral?“, fragt sich Sudbrack.

Der Tierschützer selbst würde es begrüßen, wenn auch für Katzen eine Chip-Pflicht gelten würde. Per Gesetz sollte festgelegt werden, dass Hauskatzen kastriert werden. Nur so könne man der Schar Herr werden.

Von Carola Peiser

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