Verfahren gegen Pädagogen-Ehepaar startet neu

Windeltragen „zur Strafe“: Missbrauchsprozess in Gifhorn 

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Nachdem der Missbrauchsprozess aufgrund zahlreicher neuer Akten und Beweisstücke Ende Oktober ausgesetzt wurde, wird er seit gestern neu aufgerollt.

Hildesheim / Gifhorn – Vor der dritten großen Strafkammer des Landgerichts wurde gestern erneut der Prozess gegen ein Pädagogen-Ehepaar aus Gifhorn eröffnet, das über viele Jahre hinweg mindestens vier betreute Kinder und Jugendliche gequält, missbraucht und erniedrigt haben soll (IK berichtete).

Nach dem Auffinden von 13 Kartons mit Akten und Asservaten Ende vergangenen Jahres musste der Prozess nun neu aufgerollt werden.

Hinzu kam zudem noch eine weitere Anklage, in der sowohl der 57-Jährige als auch seine 60-jährige Ehefrau jeweils zweier weiterer Straftaten beschuldigt werden. Demnach soll auch die Ehefrau einem der Kinder Windeln angelegt haben, um es zu quälen und zu erniedrigen, mit Hilfe einer gesondert verfolgten weiteren Betreuerin. Zudem soll sie sich längere Zeit auf das Kind gesetzt haben, um es „zur Ruhe zu bringen“. Außerdem soll sie ein weiteres Opfer gezwungen haben, auf das Kind zu urinieren.

In einem weiteren Fall sollen die Kinder gezwungen worden sein, mit dem Ehemann „Mutter und Kind“ zu spielen“, wobei sich der Ehemann als „Kind“ füttern und die Windel wechseln ließ.

In der ersten Anklage, die 19 Punkte umfasst, die in erster Linie vom Angeklagten, aber auch gemeinschaftlich mit der Ehefrau begangen worden sein sollen, waren die Mädchen und weiblichen Jugendlichen ebenfalls gezwungen worden, Windeln zu tragen – „zur Strafe“ auch zehn Lagen übereinander, mit gelben Säcken dazwischen und mit Paketband festgezurrt.

Darüber hinaus werden dem Ehemann in mehreren Fällen sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Zum Teil wurden die Kinder auch eingesperrt.

VON BURKHARD OHSE

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