Jeder siebte Job im Landkreis Gifhorn könnte von einer Maschine erledigt werden

Wenn Kollege Computer übernimmt

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Alles so schön digital hier? Im Landkreis könnte jeder siebte Job durch Computer oder Roboter gefährdet sein.

Landkreis Gifhorn. Wer verliert seinen Job an einen Roboter oder einen Computer? Eine Frage, die inzwischen viele Arbeitnehmer umtreibt. Eine Studie des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hat jetzt nach Antworten gesucht.

Eine davon lautet: Von den Arbeitsplätzen im Landkreis Gifhorn könnte es jeden siebten treffen.

Die Autoren der Studie haben das „Substituierbarkeitspotenzial“ einzelner Berufe untersucht. Heißt: Sie sind der Frage nachgegangen, zu welchem Grad die mit einer Beschäftigung verbundenen Kerntätigkeiten statt von einem Menschen auch von einer Maschine erledigt werden können. Berufe, bei denen das zu 70 Prozent oder mehr der Fall ist, gelten als besonders gefährdet dafür, dass der Inhaber des Jobs „ersetzt“ wird.

Ein hohes Substituierbarkeitspotenzial haben vor allem Berufe in der industriellen Produktion, insbesondere in Fertigungsberufen. Berufe, in denen Roboter wohl eher nicht zum Zug kommen können, sind in der Regel Dienstleistungsberufe in Bereichen wie Verkehr, Reinigung, Bau, Medizin oder Pflege.

Im Landkreis Gifhorn sind 14,6 Prozent der Stellen Berufe, die ein Ersetzbarkeitspotenzial von über 70 Prozent aufweisen. Damit liegt der Landkreis knapp unter dem bundesweiten Wert von 14,9 und auch unter der niedersächsischen Landeskennziffer von 15,2 Prozent.

Man beachte: Es geht hier um die Zahl der gefährdeten Stellen im Landkreis – nicht um die Inhaber solcher Stellen, die im Landkreis wohnen, aber jenseits der Kreisgrenze arbeiten. In Wolfsburg, wo nach wie vor ein hoher Anteil an Fertigungsberufen vorhanden ist, liegt das Substituierbarkeitspotenzial sogar bei satten 24,8 Prozent. Jeder vierte Job in der VW-Stadt könnte also nach den Ergebnissen des IAB mehr oder weniger auch von einem Konstrukt der digitalen Revolution erledigt werden.

„Man kann davon ausgehen, dass in der Zukunft nur sehr wenige Berufe komplett ersetzbar sein können“, erläutert Wiebke Saalfrank, Sprecherin der Helmstedter Agentur für Arbeit. „Aber es wird mehr oder weniger viele Tätigkeiten innerhalb eines Berufes geben, die von Computern ausgeführt werden können – genau das hat das IAB untersucht.“

Der Leiter der Agentur, Gerald Witt, verweist vor dem Hintergrund der Studie auf die Notwendigkeit von Qualifizierung: „Je höher die Qualifikation, desto niedriger die Ersetzbarkeit eines Berufes – der Spezialist ist weniger bedroht als der angelernte Helfer.“ Je geringer die berufliche Qualifikation sei, desto höher sei die Gefahr, dass der Job der Digitalisierung zum Opfer fällt. Um den Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen, würden lebenslanges Lernen, betriebsnahe Aus- und Weiterbildungsangebote sowie passgenaue Vermittlungen eine immer größere Rolle spielen.

Von Holger Boden

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