Zahl leicht rückläufig / Landkreis sieht weiter hohen Bedarf an Prävention

Weniger junge Komatrinker im Landkreis Gifhorn

Prävention scheint zu wirken – doch nach wie vor landen zu viele Minderjährige nach Trinkexzessen in der Klinik.
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Prävention scheint zu wirken – doch nach wie vor landen zu viele Minderjährige nach Trinkexzessen in der Klinik.
  • Holger Boden
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Landkreis Gifhorn. Rückläufige Tendenz bei der Zahl junger Komatrinker im Landkreis Gifhorn – das meldet die DAK unter Berufung auf das Statistische Landesamt. Demnach landeten im Jahr 2015 kreisweit 57 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus.

Das sei ein Rückgang von 3,4 Prozent gegenüber 2014.

Ein Trend, der auch Kreisjugendpfleger Bernhard Schuhose freut – der für ihn aber auch kein Grund ist, bei der Präventionsarbeit verschiedener Akteure im Landkreis nachzulassen: „Das Jugendamt Gifhorn hält jeden Jugendlichen, der mit einer Alkoholproblematik behandelt werden muss, für einen zuviel.“ Die rückläufigen Zahlen seien zwar Bestätigung der bisherigen Bemühungen, sie bedeuteten aber gleichzeitig nicht, dass die Prävention zurückgefahren werden kann.

Das heißt: Ordnungsrechtliche Maßnahmen wie Alkohol-Testkäufe durch Jugendliche – unter behördlicher Ägide – oder präventive Projekte für Schüler (zum Beispiel das Gifhorner Theaterstück „Sinnenrausch“) werden fortgeführt.

„Viele Jugendliche überschätzen sich und glauben, Alkohol gehört zum Feiern und Spaß haben dazu“, weiß Lena Voges von der DAK-Gesundheit in Gifhorn. Eine regionale Alkoholprävention bleibe unverzichtbar. Besonders problematisch sehen Experten den Alkoholmissbrauch bei den jüngeren Mädchen und Jungen. In der Altersgruppe der 10- bis 15-Jährigen mussten in der Region acht Kinder in einer Klinik behandelt werden. „Dies“, so Schuhose, „zeigt deutlich, dass die Sucht-Präventionsarbeit auch in den unteren Jahrgängen, also im Alter ab 10 Jahren, ansetzen sollte und muss.“

Der Jugendpfleger will ohnehin die aktuellen Zahlen noch nicht abschließend bewerten. Man müsse auch Daten wie den Promillewert der Jugendlichen bei Einlieferung ins Krankenhaus auswerten – und es sei eine Untersuchung der Dunkelziffern nötig. Zudem müsse man auch den Missbrauch anderer Drogen im Auge haben: „Aufgrund der fast uneingeschränkten Verfügbarkeit unterschiedlicher Rauschmittel kann es auch zu einer Verlagerung vom Alkohol zu anderen Rauschmitteln gekommen sein.“ Die DAK setzt 2017 die Kampagne „bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen“ im Landkreis Gifhorn fort. Schulen sind zur Teilnahme eingeladen.

Von Holger Boden

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