Unfallflucht großes Thema für Gifhorner Polizei / Tendenz zu mehr Hinweisen

Wenig Schuldbewusstsein

Aktion für Fairness: Auch wenn man nur mit dem Einkaufswagen „anditscht“ – bei Unfällen müssen Geschädigter oder Polizei informiert werden. Archivfoto: dpa
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Aktion für Fairness: Auch wenn man nur mit dem Einkaufswagen „anditscht“ – bei Unfällen müssen Geschädigter oder Polizei informiert werden.
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Gifhorn. „Unfallflucht ist ein Problem“, sagt Thomas Reuter, Sprecher der Polizei Gifhorn, angesichts eines aktuellen Urteils aus der Region. Vor allem auf großen Parkplätzen von Betrieben oder Supermärkten käme es immer wieder zu sogenannten „Parkplatzremplern“.

Auch „Disko-Unfälle“, bei denen Fahrzeuge teils sehr demoliert würden und der oft alkoholisierte Fahrer sich aus dem Staub mache, kämen immer wieder vor. Nicht zuletzt sei der Winter mit Glatteis und Autos, die anderen, geparkten Wagen oder denen im Gegenverkehr einen Außenspiegel abfahren, für den einen oder anderen Schaden verantwortlich.

Dass sich Täter vom Unfallort unerlaubt entfernen, ist aus Reuters Sicht „logisch nicht zu begreifen“. Insbesondere die vielen kleineren Schäden seien über die Versicherung oder aus der eigenen Tasche leicht zu begleichen. Als Aufklärungsquote in Sachen Unfallflucht nennt der Sprecher für den Kreis Gifhorn 40 bis 50 Prozent. Durch Glassplitter oder Fahrzeugteile, die auf eine bestimmte Baureihe hinweisen, lässt sich der Verdächtigenkreis in Kooperation mit den Verkehrsbehörden oft auf wenige zu überprüfende Fahrzeuge eingrenzen. Zudem beobachte die Polizei bei etwa gleichbleibendem Fehlverhalten von Unfallverursachern eine Tendenz zu mehr Hinweisen von Zeugen – wohl aus dem Gedanken heraus, selbst mal betroffen sein zu können.

Reuter rät dringend dazu, die Polizei im Falle eines Schadens zu informieren. Zumindest, wenn man nicht auf den Geschädigten warten wolle. Eine Untergrenze für einen Schaden gebe es grundsätzlich nicht – dafür genug Beispiele für schwere Schäden, beispielsweise an Autoachsen, auch wenn äußerlich, wie am Lack, nichts zu erkennen war.

Das Amtsgericht Uelzen verurteilte jetzt einen Mann, der in Bad Bevensen von einem Unfall nichts mitbekommen haben wollte. Auch das kennt Reuter: Mit Schutzbehauptungen habe die Polizei in diesem Bereich häufig zu tun. „Das Schuldbewusstsein ist gleichbleibend schlecht.“

Von Steffen Kahl

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