Ministerpräsident ruft in Gifhorn zu mehr Zusammenarbeit mit Russland auf

Weil: „Im Dialog bleiben“

+
Ministerpräsident Stephan Weil betonte die Wichtigkeit guter Beziehungen zwischen Russland und Deutschland.

Gifhorn. Drei deutsch-russischen Initiativen gibt es in Niedersachsen. Diese zu vernetzen, hat sich Heino Wiese, Honorarkonsul der Russischen Föderation, vorgenommen.

Dazu kam am Samstagvormittag viel Prominenz in den Glockenpalast des Gifhorner Mühlenmuseums – darunter Ministerpräsident Stephan Weil.

Der lobte zuallererst die „russische Gegenwartsarchitektur in der der norddeutschen Tiefebene“, ging dann auf das deutsch-russische Verhältnis ein.

„Wir dürfen die politischen Beziehungen beider Länder nicht auf die Politiker reduzieren“, hob er die Wichtigkeit von Initiativen auf allen Ebenen im Land hervor. Das Verhältnis beider Länder habe über die Jahrhunderte hinweg „manchmal Licht und sehr viel Schatten“ gehabt, beide hätten es sich selbst und dritten nicht einfach gemacht.

Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration, lobte die Integration von Russlanddeutschen.

Der Tiefpunkt sei jedoch 1941 mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion erreicht worden, woraus eine moralische Verpflichtung entstanden sei, dass das nie wieder passieren dürfe, sagte Weil. „Wir haben diese Schatten nicht zu verantworten, müssen aber mit ihnen umgehen.“ Gerade in der heutigen Zeit, in der es keinen Mangel an Instabilitäten, sondern im Wochentakt neue Krisen gebe, fehle eine verlässliche Linie. „Die USA sind sprunghaft, die EU nicht gefestigt“, kritisierte Weil. Dagegen gebe es eine „ganz unverhohlene Sympathie und Zuneigung der Russen zu uns Deutschen“, wenngleich es auch Krisen gebe.

Weil erinnerte an die Krim, die Situation in der Ostukraine oder die Wirtschaftsanktionen. „Unsere Vorstellungen von einer pluralistischen Gesellschaft sind nicht die gleichen, dennoch muss man im Dialog bleiben“, betonte er. Gerade auch im wirtschaftlichen Bereich sei das Potenzial noch nicht ausgeschöpft.

Auch Bürgermeister Matthias Nerlich hob die Notwendigkeit der Zusammenarbeit hervor. „Ich habe mit dem russischen Konsul und Herrn Weil die Freiheitsglocke geläutet. Man merkt, dass Teamwork dazu notwendig ist.“ Vor 250 Jahren habe die deutsche Zarin Katharina die Große die Deutschen nach Russland geholt, deren Nachfahren nun wieder in Deutschland wohnten. Daran knüpfte Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration, an. „Die Integration der Russlanddeutschen ist eine ganz große Erfolgsgeschichte“, lobte sie. Mehr als 400.000 Spätaussiedler lebten allein in Niedersachsen. 2,4 Millionen kamen mit einem vergleichsweise hohen Bildungsstand nach Deutschland, hätten sich hier eine neue Heimat aufgebaut und wichtige Beiträge für die Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Sport geleistet.

Von Burkhard Ohse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare