Trinkwasser im Landkreis nicht gefährdet

Wasserversorger schlagen Alarm: Belastung durch Chemikalien und Arzneimittel steigt

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Kläranlagen, wie hier in Wittingen, können nicht alle Spurenstoffe aus dem Wasser filtern.

Gifhorn. Einen gesteigerten Klärungsbedarf? Den gibt es. Zahlen des Umweltbundesamtes zeigen, dass das Wasser in Deutschland immer erheblicher belastet wird.

Pro Jahr leiten private Haushalte 640 500 Tonnen Chemikalien aus Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetikprodukten und Körperpflegemitteln in das Abwasser ein. Hinzu kommen 8100 Tonnen Arzneimittelreste.

Die deutschen Wasserversorger schlagen nun in der Zeitung „Die Welt“ Alarm. Um eine Überforderung der Kläranlagen zu vermeiden, werden Verbraucher und Industrie in die Pflicht genommen. Sie sollen weniger Spurenstoffe in das Abwasser einleiten.

Denn: Eine weitere Verbesserung der Kläranlagen zur Reinigung des Wassers von Mikro-Verunreinigungen ist aus Sicht von Christian Lampe, technischer Leiter und stellvertretender Geschäftsführer beim Wasserverband Gifhorn, nur schwer zu realisieren.

„Unter dem Sammelbegriff Mikro-Verunreinigungen findet sich eine Vielzahl von Verbindungen und Stoffen“, erklärt Lampe. Um diese in einer zukünftigen vierten Klärstufe aus dem Wasser zu reinigen, müsste für jeden Stoff ein eigenes Verfahren – beispielsweise über den Einsatz von Aktivkohle, Nanofiltration oder UV/Ozon-Einsatz – entwickelt werden. „Das sind sehr teure Verfahren“, erklärt der Gifhorner Geschäftsführer. Kosten, die dann dem Bürger als Verursacher teuer zu stehen kommen würden.

Soweit wäre es aber noch nicht, sagt Lampe. Die Nachrüstung einer vierten Klärstufe befinde sich derzeit noch in der fachlichen Diskussion. Eine Anordnung gebe es nicht. Und auch Bedenken, das Trinkwasser im Landkreis Gifhorn sei gefährdet, räumt der Technische Leiter des Gifhorner Wasserverbandes aus. Mikro-Verunreinigungen hätten keinen Einfluss auf das Gifhorner Trinkwasser, da dies aus dem Grundwasser gewonnen würde. „Und das liegt tief, ist alt genug“, beruhigt Lampe.

Zudem würde in den Kläranlagen eine Vielzahl der Hauptschadstoffe herausgeholt. „Wir reduzieren dies auf ein vernünftiges Maß.“ Nur bei den Spurenstoffen, die es „seit es Kläranlagen gibt, immer drin sind“, gebe es derzeit kein allumfassendes Mittel. „Eine Kläranlage filtert Arzneimittel nicht raus“, so Lampe. Dort und bei den anderen Mikro-Verunreinigungen ist letztlich der Mensch als Verursacher gefragt.

Von Matthias Jansen

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