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„Was kommt nach Corona?“

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Von: Burkhard Ohse

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Vier Personen halten auf dem Gifhorner Schillerplatz ein Transparent.
Das „Bündnis für Solidarität“ hielt eine Mahnwache auf dem Schillerplatz. © Freier Mitarbeiter / Ohse

Gifhorn – Die Anmeldungen für die Montagskundgebungen in Gifhorn waren exakt dieselben samt des Mottos wie am vergangenen Montag. Allein die Zahlen aller Teilnehmer und die Strecken sowie die Ausführungen der Veranstaltung des Bündnisses variierten.

So nahmen am „Autocorso für die Freiheit“ diesmal sieben Fahrzeuge teil, bei der lautstarken Demonstration der „Montagsspaziergänger“ samt Bühnenwagen waren laut Polizei 720 Teilnehmer dabei. Rund 100 Bürger hatten sich dagegen auf dem Marktplatz versammelt, um das „Bündnis für Solidarität“ zu unterstützen. Dort bezweifelte Björn Gasa das von den „Montagsspaziergängern“ kommende Angebot des Dialogs. „Sie haben selbst dafür gesorgt, dass man mit ihnen nicht reden muss und möchte. Es ist außerdem bereits alles gesagt“, warf er den Spaziergängern „Brandstiftung mit dem Wort“ vor. Den Worten könnten Taten anderer Menschen folgen. „Man ist auch dafür verantwortlich, was man sagt“, stellte er klar und kritisierte rhetorische Fragen der „Spaziergänger“. Zudem beschwerte sich Gasa über Flugblätter in seinem Briefkasten und wies auf „Feindeslisten“ hin, die kursierten. Die einzige Frage, die ihn herumtreibe, sei, warum diese Menschen „mit Rassisten, Menschenverächtern und Extremisten marschieren“.

Jan-Philipp Meyer (Die Partei) rief dazu auf, differenziert und solidarisch zu bleiben und nicht mit Rechten zu marschieren. Zum Wort „Spaltung“ sagte er, dass die „Spaziergänger“ nicht die Hälfte der Bevölkerung seien. „Diese Leute gab es vorher auch schon“. meinte er. SPD-Ratsherr Martin Neuhäuser und Volker Schlag stellten die Frage, wie man nach Corona mit den Menschen der Gegenseite umgehen sollte. Denn man müsse auch nach Corona wieder miteinander auskommen. „Wir müssen einen Weg finden, um das, was kaputt gegangen ist, wieder herzustellen“, so Neuhäuser. Dr. Detlef Eichner wies darauf hin, dass es einen Punkt gebe, an dem sich Gifhorn das nicht mehr gefallen lasse und meinte die Aussagen eines AfD-Politikers und die Reaktionen darauf.

Während auf dem Marktplatz zwischen den Redebeiträgen leise Musik gespielt wurde, gab es auf dem Schützenplatz bei den „Spaziergängern“ Live-Musik. So sang Eva von „düsteren Zeiten“, forderte „Lasst uns leben“ und „Wir sind hier, es ist unsere Zeit“. Anlässlich des Valentinstags sah man viele herzförmige rote Luftballons. Ein sich selber „alter Erich“ nennender Mann warnte vor der „Verführung“ der Menschen: „Uns wird Angst gemacht vor Covid. Es ist aber eine andere Kraft hinter der Verführung.“ Covid sei vielmehr die erste große Probe, und es kämen noch weitere Proben. Der „Widersacher Gottes“ greife ihm zufolge nach der „Weltherrschaft“. Eine weitere Rednerin merkte an, dass Gifhorn beim Widerstand ganz vorne mit dabei sei. „Wir sind die rote Linie“, sagte sie.

Bei den „Spaziergängern“ wurden nach Polizeiangaben mehr als 30 Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnungen aufgenommen. Besonders eine davon stieß Veranstalter Olaf Lange sauer auf. Denn bei einer Person gab es den Anfangsverdacht auf ein gefälschtes Maskenbefreiungsattest. „Was ist mit euch los?“, fragte er in Richtung Polizei. „Ihr seid die erste Polizei, die so einen Stress macht.“

Aufgrund der „Kostspieligkeit der Ordnungswidrigkeitsanzeigen“ gingen Sammelbüchsen unter den Teilnehmern herum. Mit den Rufen „Frieden, Freiheit, Souveränität“ und der Begleitung durch Bereitschaftspolizei marschierte der Tross mit zwei „Beschallungswagen“.

Gesammelt wurde auch auf dem Marktplatz durch das Bündnis. Bereits 1530 FFP2-Masken kamen da zusammen, die auch an die Wittinger Tafel gespendet wurden.

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