Tarifstreit: 2.500 Mitarbeiter gehen in Gifhorn auf die Straße

Warnstreik bei IAV

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Betriebsratschef Mark Bäcker sah gestern in der großen Beteiligung an dem Warnstreik in Gifhorn eine Rückendeckung für die Forderungen des IAV-Betriebsrates.

Gifhorn. Das gab es in der Unternehmensgeschichte der IAV noch nie. Zum ersten Warnstreik überhaupt versammelten sich gestern 2.500 Mitarbeiter des Gifhorner Standortes und viele Kollegen anderer Firmen.

Per Video verbunden waren 250 Kollegen im Werk Chemnitz, 600 in Berlin und mehr als 100 in München.

Zum Warnstreik versammelten sich gestern nach Gewerkschaftsangaben 2500 Mitarbeiter der IAV in Gifhorn. 

Gifhorn ist mit 3.600 der insgesamt 7.000 IAV-Beschäftigten der größte Standort. Und hier gab es vor der Kundgebung den Marsch auf der Rockwellstraße, an der Geschäftsführung vorbei. „Ich bin mehr als überwältigt“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Mark Bäcker bei der Abschlusskundgebung. „Uns wird seitens der Geschäftsführung immer vorgeworfen, dass wir nur im Namen des Betriebsrats sprechen. Meine Herren Geschäftsführer, hört euch das an“, sagte er.

Die Entgelttabelle sei bereits am 30. November 2017 gekündigt worden, erinnerte Bäcker. Johannes Katzan, für die IG Metall in der Tarifkommission, sagte: „Tarifverträge sind die Standards guter Arbeit.“ Die aktuelle Entwicklung könne niemand gut finden. Dem Arbeitgeberargument, die IAV liege in der Profitabilität nur im unteren Mittelfeld, und drei Viertel der Kosten seien Personalaufwendungen, die 30 Prozent über dem Durchschnitt lägen, zeigte der Metaller eine „klare rote Karte“.

An die aufmarschierten Kollegen gewandt, rief Katzan: „Ihr seid die Lösung, bei euch liegt die Leistung. Ihr tragt zum Profit bei. Die Menschen in unserem Unternehmen sind der Schlüssel zum Erfolg, das steht im Prospekt der IAV.“ Die Verantwortung für die laut Geschäftsführung seit vier Jahren schrumpfende Rendite wies er zurück.

Vom DGB gab es Rückendeckung. Michael Kleber, DGB-Geschäftsführer für Südost-Niedersachsen, beschwor die Solidarität. „Nur mit einer angemessenen Bezahlung und Wertschätzung kann man die Fachkräfte in der Region halten.“ Trotz Zugeständnissen, für die man auch schon von den Arbeitnehmern Prügel bekommen habe, bewege sich die Geschäftsführung nicht, monierte Katzan. „Wir wollen mehr Transparenz in der Entgelttabelle, sind zu Zugeständnissen wie einem verlangsamten Einstieg bei der IAV bereit“, so der Metaller. An die Geschäftsführung gerichtet: „Aber bewegen Sie sich in unserer Richtung.“

Von Burkhard Ohse

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