Auch Gifhorner Gericht schickt Jugendliche trotz Bewährung ins Gefängnis

Mit „Warnschuss“ in Haft

Zweimal wurden seit September Jugendliche vom Gifhorner Amtsgericht zu einem Warnschuss-Arrest verurteilt. Foto: dpa

Landkreis Gifhorn. Über 60 Mal wurde in Niedersachsen ein so genannter Warnschuss-Arrest von einem Jugendrichter verhängt. Zweimal geschah das seit September vergangenen Jahres am Amtsgericht Gifhorn.

Diese jugendstrafrechtliche Handhabe erlaubt es dem Jugendgericht, bei einer Bewährungsstrafe zusätzlich einen Arrest von bis zu vier Wochen zu verhängen. Sowohl beim Amtsgericht Gifhorn als auch bei der Bewährungshilfe wird diese Regelung als eine sinnvolle Ergänzung im Jugendgerichtsgesetz gesehen.

Wie viele „Warnschüsse“ beim Amtsgericht insgesamt abgegeben worden sind, kann Gifhorns Amtsgerichtsdirektor Dr. Heinold Willers nicht sagen. Seit März vergangenen Jahres gibt es die Möglichkeit. Der Jurist auf dem Stuhl des Jugendgerichts in Gifhorn hat im September gewechselt, seitdem wurden zwei Jugendliche neben einer Bewährungsstrafe zusätzlich zu einem Arrest verurteilt. Und der kann bei fast jedem Delikt verhängt werden.

„Einen verurteilten Jugendlichen habe ich betreut. Der war vier Wochen lang weggeschlossen. Der will nicht noch mal hinein“, sagt ein Mitarbeiter der Bewährungshilfe, der seinen Namen nicht nennen möchte. Die Abschreckung sei Sinn und Zweck des Warnschuss-Arrestes. Die verurteilten Jugendlichen sollen erfahren, wie es ist, sollten sie tatsächlich zu einer Jugendstrafe in einer Jugendhaftanstalt verurteilt werden. „Für die weitere Bewährungszeit kann man dann auf dieser pädagogischen Schiene weiterfahren“, so der Bewährungshelfer. Die Erfahrung, für eine bestimmte Zeit im Arrest sein Leben nicht mehr selbst bestimmen zu können, sei im konkreten Fall einschneidend gewesen.

Bei einer Strafe auf Bewährung gehe manch jugendlicher Übeltäter mit dem Gefühl aus der Verhandlung, dass am Ende ja doch nichts passiert sei, so die Erfahrung aus der Bewährungshilfe. „Und am Ende zahlen dann noch die Eltern die Geldstrafe, und der verurteilte Jugendliche spürt so gut wie gar keine Konsequenzen.“ Insofern sei der Warnschuss-Arrest eine sinnvolle Regelung.

Allerdings, so gibt der Bewährungshelfer zu bedenken, sei es wichtig, dass der Jugendliche zeitnah nach dem Urteil die Arrestzelle von innen sehe. „Das muss in einer Frist von acht Wochen liegen“, so der Mitarbeiter beim Justizsozialdienst. Gleichzeitig müsse darauf geachtet werden, dass der betroffene Jugendliche mit dem verhängten Arrest nicht aus seinem Schul-, Ausbildungs- oder Berufsalltag herausgerissen werde.

Von Jens Schopp

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