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Waldbrandzentrale Lüneburg mit Höchstmarke an Warnmeldungen

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Toni Jankowski (vorne in der Mitte), Mitarbeiter der Waldbrandzentrale in Lüneburg, behält auf seinen Monitoren eine Rauchsäule im Blick.
Toni Jankowski (vorne in der Mitte), Mitarbeiter der Waldbrandzentrale in Lüneburg, behält auf seinen Monitoren eine Rauchsäule im Blick. © dpa

Lüneburg – Im „Maschinenraum“ der Waldbrandzentrale in Lüneburg kommen die Forstwirte ins Schwitzen. Sobald ein Brandherd lokalisiert wird, steigt die Nervosität im kleinen Büroraum, einer ruft dem anderen Informationen zu. „Unser Ansatz ist, früh erkennen und im Keim ersticken“, sagt Leiter Helmut Beuke, der in normalen Zeiten im Forstamt Sellhorn arbeitet. Was kokelt da? Oft entpuppt sich ein Alarm als Staubsäule, das ist zunächst schwer zu unterscheiden.

Trauriger Rekord in diesem Jahr

Die Zentrale steht in diesem Jahr vor einem traurigen Rekord. Mehr als 500 Warnmeldungen wurden bis Ende Juli an die Leitstellen weitergegeben. Seit Bestehen der Einrichtung in 2008 verzeichnete die Statistik in 2018 die Höchstmarke von 500 Meldungen für das ganze Jahr. „Da sind wir nicht stolz drauf“, sagt Beuke. „Was wir in diesem Jahr schon geleistet haben, ist unglaublich.“ In 2022 sei die Trockenphase extrem lange, dazu die Luftfeuchtigkeit niedrig und es sei oft windig. Eine Gemengelage, die die Brandgefahr begünstigt.

Täglich zwischen 400 und 1000 Meldungen

Ab Waldbrandgefahrenstufe 3 von 5 ist die Zentrale mit speziell geschulten Forstwirten der Niedersächsischen Landesforsten besetzt, täglich kommen zwischen 400 und 1000 Meldungen von den 17 niedersächsischen Kamera-Standorten herein. Die Fachleute bewerten die Bilder auf den Bildschirmen und informieren die Leitstellen. Eine Großbildwand gibt den Brandwächtern die Möglichkeit, unklare Warnmeldungen gemeinsam zu beurteilen. Die extrem hoch auflösenden Kameras haben einen Rundumblick von mehr als zehn Kilometern.

Überwacht werden 440 000 Hektar Wald

Die optischen Sensoren können selbst in 20 Kilometer Entfernung Rauchentwicklungen erkennen und exakt verorten. Überwacht werden 440 000 Hektar Wald im besonders gefährdeten nord-östlichen Niedersachsen. Die überwachte Gesamtfläche liegt bei fast einer Million Hektar. Die Kamerastandorte erstrecken sich auf sechs Landkreise: Lüneburg, Heidekreis, Uelzen, Gifhorn, Lüchow-Dannenberg und Celle. Länderübergreifend gehen aus Lüneburg auch Warnungen in grenznahe Bereiche nach Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Zehn Einsatztage in Folge keine Seltenheit

Besonders in Erinnerung ist Beuke der Flächenbrand aus 2019 auf dem Truppenübungsplatz in Lübtheen. Gemeinsam mit den Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern erkannten sie den Brand, der wegen des munitionsbelasteten Geländes so schwer zu löschen war.

In den heißen Sommermonaten sind zehn Einsatztage in Folge keine Seltenheit für Toni Jankowski, der von Anfang an dabei ist. „Wir müssen mehr Leute haben, ich bin ausgeblutet“, sagt der erfahrene Forstwirt aus der Göhrde. Die Arbeit sei oft sehr stressig.

„Manchmal aufregend“

Carina Frischmut hilft den erfahrenen Kollegen erst seit kurzem, für sie ist es ein Nebenjob. „Manchmal ist es ganz gut aufregend, da geht der Puls hoch“, erzählt die 21-Jährige, die die Technikprogramme schnell erlernt hat. Der Kollegin Betti Buchholz ist die Arbeit ein richtiges Anliegen. „Ich bin selbst Brandopfer“, erzählt sie und berichtet von einem Wohnhausbrand nach einem Feuer in der Nachbarwohnung und anschließender Obdachlosigkeit. „Wir mussten von Null auf neu anfangen.“ Für die Forstfrau aus der Göhrde ist es deshalb ein besonderer Anreiz, Brandherde früh zu lokalisieren. „Gott sei Dank riecht man das hier nicht“, sagt sie. dpa

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