Pilotprojekt gegen Baumunfälle wird im Kreis Gifhorn aufmerksam verfolgt

Zu viele Tote am Straßenrand

Diese Schilder sollen Autofahrer in ausgewählten Landkreisen sensibilisieren.
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Diese Schilder sollen Autofahrer in ausgewählten Landkreisen sensibilisieren.

Landkreis Gifhorn. Mit einer neuen Kampagne in ausgewählten Landkreisen will das Land Niedersachsen die Zahl der Baumunfälle senken. Gifhorn ist nicht mit von der Partie – doch die Polizei in der Kreisstadt will das Projekt aufmerksam verfolgen.

Dazu gibt es auch genug Anlass. Denn der statistische Trend ist nicht ermutigend. Gab es im ersten Halbjahr 2013 im Landkreis Gifhorn 49 Baumunfälle, so sank die Zahl zwar im zweiten Halbjahr auf 44, schnellte aber in der ersten Hälfte dieses Jahres auf 52 hoch. In jedem der drei Halbjahre gab es dabei zwei Tote. Gestiegen ist die Zahl der Schwerverletzten: von 4 über 12 auf 16 – und das trotz immer besserer passiver Sicherheitstechnik in den Autos. Immerhin: Die Zahl der Leichtverletzten sank von 24 über 18 auf 16.

Die Entwicklung der Gesamtzahlen rückt den Landkreis Gifhorn damit schon fast in die Nähe der Regionen, die jetzt als Modell-Landkreise dabei sind. Hildesheim zum Beispiel: Dort wurden im Jahr 2013 insgesamt 30 Menschen bei Baumunfällen getötet oder schwer verletzt.

Mit landesweit 874 Schwerverletzten oder Getöteten nahm Niedersachsen 2013 auf Bundesebene einen traurigen Spitzenplatz ein. Das Verkehrsministerium in Hannover nennt die Zahlen „alarmierend“.

Bei der neuen Kampagne, die auch von der Landesverkehrswacht unterstützt wird, sind neben Hildesheim die Kreise Osnabrück, Friesland, Osterholz, Cuxhaven und Emsland mit im Boot. Zu den Instrumenten, die Autofahrer sensibilisieren sollen, gehören Dialogdisplays mit einem Baum und einem Smiley, der auf die jeweilige Geschwindigkeit reagiert, sowie Plakate („Bäume springen nicht zur Seite“). Zusätzlich sollen in den sechs Landkreisen auf kritischen Strecken präventiv Tempolimits angeordnet werden. Und: Punktuell sollen auch „Schutzeinrichtungen“ installiert werden, also Leitplanken.

„Der Blick geht auf diese Pilotprojekte“, sagt der Gifhorner Polizeisprecher Lothar Michels. „Man muss dann schauen, inwieweit solche Sachen hier umsetzbar sind.“ Konkrete Maßnahmen gegen Baumunfälle gebe es derzeit im Landkreis Gifhorn nicht, allerdings gebe es auf Baumstrecken schon „eine verstärkte Verkehrsüberwachung“.

Als Ursache dafür, dass eine Fahrt am Baum endet, gilt für die Polizei in vielen Fällen überhöhtes Tempo. Doch Michels kennt auch einen anderen Grund dafür, dass Fahrer von der Strecke abkommen: Unaufmerksamkeit, ausgelöst durch das Mobiltelefon oder den Rest der neuen Kommunikationstechnik, die viele Autos im Cockpit inzwischen bieten. Der Polizeisprecher warnt zudem davor, sich durch moderne Fahrassistenz-Systeme eine „falsche Sicherheit“ vortäuschen zu lassen.

Von Holger Boden

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