Kirsten Burghard Schröter, Pfarrer der Wittinger SELK, über Sinn und Zweck der Fastenzeit

Verzicht auf Liebgewordenes

Die Fastenzeit hat jetzt begonnen. Nicht nur beim Essen kann in diesen Tagen bis Ostern Verzicht geübt werden.
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Die Fastenzeit hat jetzt begonnen. Nicht nur beim Essen kann in diesen Tagen bis Ostern Verzicht geübt werden.

Landkreis Gifhorn. Die Fastnacht ist vorüber, jetzt hat die Fastenzeit begonnen. Zumindest heißen die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern so. Sie wird auch die Passionszeit genannt, die an Christi Leiden erinnern soll.

IK-Redakteur Jens Schopp sprach mit Kirsten Burghard Schröter, Pfarrer der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde St. Stephan in Wittingen, über die Bedeutung dieser Zeit.

IK: Herr Schröter, warum spielt die Fastenzeit in der Kirche eine so große Rolle?
Kirsten Burghard Schröter: Die Fastenzeit erinnert an das Leiden Jesu. 40 Tage hat Jesus in der Wüste gefastet, 40 Jahre ist das Volk Israel durch die Wüste gezogen. Die Zahl 40 steht als Sinnbild für Vorbereitung und Reinigung. In der Fastenzeit fragen wir, ob wir mit dem leidenden Jesus mitgehen, ihm nachfolgen. Oder lässt Jesu Passion uns kalt? Unsere Kirche bietet die Aktion „Sieben Wochen mit“. Das heißt, wir wollen mit den Passionsandachten mittwochs einen spirituellen Impuls setzen. Es soll ein Besinnen auf das Ursprüngliche sein, eben auf das Leiden, die Passion Jesu.

IK: Aber viele Menschen fasten doch in dieser Zeit völlig losgelöst von religiösen Motiven.
Schröter: Sicher. Aber auch das kann ein neues Nachdenken über eigene Grenzen bewirken: Muss ich alles tun, was ich darf? Wie gehe ich mit Einschränkungen um, wie lebt es sich damit? Manche Menschen nehmen sich vor, mit dem Geldbetrag auszukommen, den ein Mensch zur Verfügung hat, der Hartz IV bezieht. Viele erkennen dann, dass diese Menschen keine Sozialschmarotzer sind, sondern der Satz knapp bemessen ist und man sich wirklich einschränken muss. Was macht das Leben lebenswert? Und was ist absolut notwendig? Als Jesus nach der 40 tägigen Fastenzeit Hunger hat, erkennt und bekennt er: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

IK: Sondern?
Schröter: Sondern von einem jeden Wort Gottes, das aus dem Munde Gottes geht – wie es bei Matthäus 4,4 steht. Ich kann durch Verzicht erleben, was dem eigenen Leben dient. Ich bin nicht der Macher meines Lebens, sondern bin auf andere angewiesen und ebenso auf den, der mich geschaffen und gemacht und gewollt hat. Ich bin hineingenommen in ein soziales Gefüge und werde aufgerufen zur Verantwortung. Gott will nicht Fasten um des Fastens willen, sondern verantwortliches Handeln gegenüber den Armen und Schwachen. ,Brich dem Hungrigen dein Brot’, lässt Gott durch den Propheten Jesaja im Alten Testament über das Fasten sagen.

IK: Aber warum soll man überhaupt verzichten?
Schröter: In dieser Zeit kann man sich bewusst werden wie viel einem das Leben eigentlich schenkt. Das merkt man am besten, wenn man auf Liebgewordenes verzichtet. Bin ich von dieser Angewohnheit schon abhängig? Muss ich jeden Abend eine Flasche Bier trinken? Fasten und Verzichten tut man sich selbst gegenüber. Deshalb würde ich es nicht zu sklavisch sehen. Der Mensch werde ‘nicht durch das Fasten angenehme bei Gott’, hat Luther gesagt. Sondern der Glaube an Jesus Christus rettet vor dem Verderben.

IK: Was kann einem das Fasten bringen?
Schröter: Es erhöht die eigene Leidens- oder Widerstandsfähigkeit. Das Leiden Jesu lehrt, dass man an den äußeren Umständen nicht zerbricht. Jesus hat sich gegen die politischen und religiösen Würdenträger gewandt. Er ist in das Leiden und in den Tod gegangen. Aber er ist nicht im Tod geblieben. Gott hat ihn auferweckt am dritten Tag. Gott hat das Leben im Blick und will, dass wir das Leben haben durch Jesus Christus. Was hält mich am Leben? Sind es Bier, Süßigkeiten oder Vergnügen? Nein, es ist das Wort Gottes. Die Wochen vor dem Osterfest laden ein, über das Leiden Jesu nachzudenken. Martin Luther sagt: ‘Das Leben eines Christen muss mit ein wenig Kreuz gewürzet sein, damit es nicht verdirbt.’

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