Respekt vorm Überschlag

Verkehrssicherheitstraining an der Gifhorner BBS I

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Nach einem simulierten Überschlag kann man noch lächeln.

Gifhorn – „Das mach ich nicht.“ Respekt hatte mindestens eine Schülerin der Gifhorner BBS I vor dem Überschlagsimulator, der auf dem Schulhof an der Außenstelle Konrad-Adenauer-Straße stand.

Nicht jeder traute sich in den Überschlagssimulator.

Und sie meinte das Probesitzen im Auto mit Überschlag. Dabei ist das Gerät sicher, und mit den Erklärungen von Lutz Dietrich von der Verkehrswacht sollte jeder wissen, wie man sich bei einem Autoüberschlag verhält. Man könne einiges falsch machen, und das beginne gleich beim Anschnallen. Gurt über der Gürtelschnalle, über der Daunenjacke, über die Hemdtasche mit dem Smartphone oder Kugelschreiber – im Falle eines Unfalls kann man dann den Kugelschreiber aus dem Körper operieren, erklärte er. Bei einem Frontalzusammenstoß von lediglich 50 Kilometern pro Stunde herrschen Kräfte, die dem Vierzig- bis Fünfzigfachen des Körpergewichts entsprechen. Bei einem 70 Kilogramm schweren Schüler sind das immerhin mehr als drei Tonnen.

Mit offener Daunenjacke sollte man fahren, damit der Gurt am Körper anliegt. Im Falle eines Überschlags könne man den Gurt lösen und sich am Autodach abstützen – sonst drohe ein Genickbruch. Genaue Verhaltensweisen gab es zuhauf von Dietrich. Und wenn man es geschafft hat, sich selber zu befreien, nicht gleich aus dem Wagen springen. „Erst einmal orientieren und dann warten, bis man ruhig ist“, erklärte er.

„Wir veranstalten den Verkehrssicherheitstag zum zweiten Mal, organisiert vom Landkreis, der Polizei und der Verkehrswacht“, erklärte Martin Bock, Teamleiter Gesundheitsmanagement und Arbeitssicherheit, wozu die Verkehrssicherheit gehört. Auch die Schüler der Hauptstelle kamen an diesem Vormittag vorbei und wurden klassenweise durch die Stationen geschickt.

Etwas weiter auf dem Schulhof stand Liane Jäger vom Präventionsteam der Polizei. Sie hatte zwei Rauschbrillenparcours und ebenfalls viele Informationen – auch über Cannabis und KO-Tropfen und deren Folgen. „Die Brillen simulieren einen Blutalkoholwert von 1,3 Promille, die eine ist ein wenig abgedunkelt, um Dämmerung oder Nacht zu simulieren“, erklärte sie. Ein gezieltes Umfahren der Hindernisse oder ein Treffen der Bälle in den bereitgestellten Behälter war mit den Brillen mehr als schwierig für die Probanden.

In der Schule gab es von Jägers Kollegen Hans-Heinrich Kubsch weitere Tipps, filmunterstützt über Ablenkungen am Steuer. Tippen am Steuer erhöht das Unfallrisiko um das 23-fache. „Wenn wir jemanden mit Handy am Steuer erwischen, hören wir, dass es nur ganz kurz war. Untersuchungen der TU Braunschweig haben aber gezeigt, dass Leute bis zu sieben Sekunden auf das Handy schauen“, verdeutlichte er. Bei einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde wären das 210 Meter Fahrt im Blindflug, genug Gelegenheit, um auf die Gegenfahrbahn zu gelangen und schwerste Unfälle zu verursachen. Aber auch Mitfahrer, Kinder oder Insekten und Spinnen können ablenken. Beispiele aus der Praxis hatte Kubsch einige dabei. Zudem wies er auf die Anschnallpflicht hin. „Sonst haben Sie im Fall eines Unfalls kaum eine Überlebenschance.“

VON BURKHARD OHSE

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