„Verdammt harte Zeiten“

Gifhorn: Die Ausgangssperre im Landkreis – und einige Folgen

Gifhorner Fußgängerzone
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In der Gifhorner Fußgängerzone: Auch ohne Ausgangssperre war kaum Betrieb.
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  • Hilke Bentes
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  • Dennis Klüting
    Dennis Klüting
  • Paul Gerlach
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  • Holger Boden
    Holger Boden

Landkreis Gifhorn – Seit Dienstagbend, 12. Januar, gilt im Landkreis Gifhorn eine nächtliche Ausgangssperre von 20 bis 5 Uhr. Die Entscheidung wurde am Montagnachmittag vom Landkreis Gifhorn verkündet, der damit die hohen Corona-Zahlen im Kreisgebiet eindämmen will.

Doch was bedeutet die Regelung konkret für einzelne Lebensbereiche?.

Klar ist: Ausnahmen sind vom Landkreis explizit zugelassen. Triftige berufliche Gründe können rechtfertigen, dass jemand zwischen 20 und 5 Uhr nicht zu Hause ist. Das Gleiche gilt für Menschen, die medizinische Hilfe benötigen, oder für den Fall, dass ihr Haustier einen Tierarzt braucht. Hundebesitzer dürfen auch nach 20 Uhr ihren Vierbeiner zum Gassigehen führen. Gefahrenabwehr oder die Unterstützung Hilfsbedürftiger sind weitere Ausnahmetatbestände, ebenso die Begleitung Sterbender.

Der Besuch eines Supermarktes nach 20 Uhr gilt nicht als triftiger Grund, außer Haus zu sein. Auch die Lieferung von Lebensmitteln soll nicht in der genannten Zeit erfolgen. Wie der Landkreis in seiner Allgemeinverfügung klarstellt, muss man sich zwischen 20 und 5 Uhr nicht zwingend in der eigenen Wohnung aufhalten – es darf auch eine andere Wohnung sein. Dort dürfe dann allerdings nicht gegen die Kontaktbeschränkung verstoßen werden.

Die Polizei will die Einhaltung der Ausgangssperre kontrollieren. Es werde „der eine oder andere zusätzliche Streifenwagen unterwegs sein“, sagt Polizeisprecher Thomas Reuter auf IK-Anfrage. Man sei dafür personell gut aufgestellt. Die Polizei gehe aber davon aus, dass die meisten Menschen im Nordkreis abends ohnehin zu Hause sind und sich damit auch an die Vorgaben halten.

• Gastronomie/Lieferservice: Für Jens Olvermann vom Hankensbütteler Gasthaus Zur Linde bedeutet die Ausgangssperre weitere Einschränkungen: „Wir werden unsere Essensausgabe dann um 19.45 Uhr beenden müssen.“ Am Wochenende werde das Angebot häufiger als unter der Woche in Anspruch genommen. Dann wurde in der Vergangenheit auch länger als 20 Uhr ausgegeben. „Aktuell ist die Ausgangssperre für uns zu verkraften“, sagt Olvermann. „Januar und Februar sind sowieso eher ruhig. Über Monate hinweg bekämen wir da aber definitiv Probleme.“

Horst-Günter Deck vom Hotelrestaurant Wittinger Tor ist unsicher, was die Ausgangssperre für seinen Betrieb bedeutet: „Aktuell bieten wir einen Außer-Haus-Verkauf an. Der läuft auch gut. Ich hoffe, das bleibt auch mit der Ausgangssperre weiter so, kann es aber jetzt natürlich noch nicht sagen.“

• Supermärkte: Dürfen nach 20 Uhr nicht mehr genutzt werden, werden aber nicht zur Schließung ab 20 Uhr gezwungen. „Das ist eine freiwillige Entscheidung“, sagt Landrat Dr. Andreas Ebel auf IK-Anfrage. Theoretisch, so Wittingens Bürgermeister Andreas Ritter, könnten abends noch Kunden aus Nachbarkreisen zum Einkaufen in einen Wittinger Markt kommen, sofern der sich entscheide, weiterhin bis 22 Uhr zu öffnen.

• ÖPNV/Taxen: Für den ÖPNV bleibt es beim aktuell gültigen Fahrplan (Infos unter www.vrb-online.de/aktuelles/corona.html). Busse und Bahnen dürfen nach 20 Uhr nur für die Ausnahmetatbestände – etwa Fahrt von oder zur Arbeit – genutzt werden. Gleiches gilt für Taxen.

Eine Umstellung von Fahrplänen sieht die VLG aktuell denn auch nicht vor, wie Geschäftsführer Stephan Heidenreich erklärt: „Wir müssen ja auch abends noch VW-Mitarbeiter ins Werk bringen – allein das sind schon acht Linien, dazu kommt noch der Zubringerverkehr.“ Die VLG stehe nun allerdings vor der Frage, wer bei einem drohenden absoluten Kontaktverbot überhaupt noch den ÖPNV nutze. „Daher behalten wir die Situation im Blick und passen bei Bedarf an“, so Heidenreich.

Der Steimker Thomas Kallweit zeichnet für seinen Taxi-Unternehmen ein düsteres Bild: „Seit vergangenem März kann es eigentlich nicht mehr schlimmer werden.“ Spontan-Beförderungen, etwa nach einem Kneipenbesuch oder einem Schützenfest, gebe es gar nicht mehr. „Es sind verdammt harte Zeiten“, so Kallweit. „Wir leben quasi nur noch von Krankentransporten.“ Aber auch die seien weniger geworden, die Menschen würden zunehmend auf Arztbesuche verzichten. „Wir versuchen, alles aufrechtzuerhalten, aber es ist wirklich schwierig.“ So musste die Geschäftsstelle in Knesebeck bereits zum Jahresende aufgegeben werden.

• Banken: Dürfen ihren SB-Bereich nach Angaben des Landkreises auch zwischen 20 und 5 Uhr geöffnet halten. Das wird nur kaum jemand nutzen können.  bo/dk/hib/pg

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