Eine Frage der Würde

Veranstaltung in Gifhorn rückt Prostitution in den Fokus

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Laden zu Vortrag und Handtaschenbasar ein: Christine Gehrmann (v.l.), Gabriele Pöllet, Natascha Heumann (Gleichstellungsbeauftragte Meinersen), Ilsemarie Dralle (Kreislandfrauen) und Liane Jäger (Präventionsteam Polizei).

Gifhorn – Die erste Veranstaltung zum Thema „Prostitution in Deutschland“ im Gifhorner Rittersaal war schon sehr gut besucht.

Allerdings fehlten die Politiker, bemängelt Gabriele Pöllet von der sozialdiakonischen Straßenarbeit (SoDiStra), die Frauen in Prostitution im Landkreis betreut. Immerhin waren 30 Prozent der Gäste im Februar Männer, die sich für das sensible Thema interessierten und „Flagge zeigten“.

Auch Männer sollen angesprochen werden

Auch bei der zweiten Veranstaltung am Mittwoch, 11. September, um 19 Uhr im Rittersaal wollen die Organisatorinnen mit einem Vortrag von der Hamburger Psychologin Gisela Jaspersen mit dem Titel „#Rotlicht aus“, einer anschließenden Diskussion und einem Handtaschenbasar (ab 18 Uhr) nicht nur Frauen, sondern auch Männer ansprechen. Denn auch die sollen ein Gefühl dafür bekommen, was mit den Prostituierten los ist.

„Man sieht es einer Prostituierten nicht an, ob sie Gewalt erfährt. Deutschland ist die europäische Drehscheibe des Frauenhandels und ein Einreiseland für Sextouristen geworden“, kritisiert Pöllet. In dem Vortrag mit anschließender Diskussion soll geklärt werden, wie „freiwillig“ Prostitution überhaupt sein kann.

Viele Prostituierte sind Analphabeten

Denn die überwiegende Anzahl der Frauen stamme aus Osteuropa und werde durch Zuhälter oder Armut zur Prostitution gezwungen. Etliche seien zudem Analphabeten und dementsprechend hilflos. Da komme die Frage nach der Verantwortung von Staat und Gesellschaft auf.

Die Organisation SoDiStra betreut die Prostituierten, sofern das möglich ist, und gibt ihnen Hilfe beim Ausstieg aus der Szene. So sind im Landkreis in den letzten Jahren vier Frauen aus der Prostitution ausgestiegen, zwei Zuhälter haben sich aus dem Landkreis zurückgezogen.

Trotzdem findet Prostitution weiterhin statt, unter anderem an den Kreisstraßen. „Aber aus den Augen, aus dem Sinn soll es nicht geben“, bekräftigt Christine Gehrmann, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. Denn das Problem bestehe weiter. „Wir wollen eine gesellschaftliche Diskussion darüber, dass wir den Sexkauf, so wie er betrieben wird, nicht wollen“, sagt Gehrmann. Dabei gehe es nicht nur um die Würde der Frau, sondern auch um die Würde des Mannes, der als Freier auftrete.

Zusätzliches Seminar mit Fotoarbeiten

Am 11. September findet zusätzlich für Fachleute und fachlich Interessierte ein Seminar mit Gisela Jaspersen statt. Das Thema ist von 15.30 bis 17 Uhr im Großen Sitzungszimmer „Trauma und Dissoziation bei Frauen in Prostitution“. Während der Veranstaltung, die von SoDiStra (Träger ist Life Concepts), dem Netzwerk gegen häusliche und sexuelle Gewalt, der Polizeiinspektion, dem Kreisverband der Landfrauen und der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises und der Samtgemeinde Meinersen organisiert wird, werden Fotoarbeiten von Bettina Flitner gezeigt, die sich intensiv fotografisch mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Der Erlös aus dem Handtaschenbasar geht an SoDiStra. Der Eintritt ist frei.

VON BURKHARD OHSE

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