72-Jähriger wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht

Urteil nach Streit auf Gifhorner Campingplatz: Vier Jahre für Messer-Attacke

Am Hildesheimer Landgericht ist jetzt ein 72-Jähriger aus Gifhorn zu vier Jahren Haft verurteilt worden.
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Am Hildesheimer Landgericht ist jetzt ein 72-Jähriger aus Gifhorn zu vier Jahren Haft verurteilt worden. 

Gifhorn/Hildesheim – Ein 72-Jähriger, der auf einer Campingplatz-Parzelle bei Gifhorn wohnt, ist gestern vor dem Hildesheimer Landgericht wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden.

Die Kammer kam damit fast dem Strafmaß der Staatsanwaltschaft nach, die vier Jahre und sechs Monate gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers deckten sich die Feststellungen der Kammer mit dem Sachverhalt, der dem Angeklagten vorgeworfen wurde. Er soll am 13. August letzten Jahres einen 56-jährigen Bewohner desselben Campingplatzes in dessen Wohnung mit einem Messer angegriffen haben. Der habe sich gewehrt und deshalb nur eine oberflächliche Verletzung am Bauch erlitten, bevor er den 72-Jährigen aus seinem Haus drängen konnte.

Vorausgegangen war offenbar ein seit mehreren Wochen schwelender Streit, in dessen Zuge der 72-Jährige seinem Kontrahenten mehrfach die Fahrradreifen zerstochen hatte. Der 56-Jährige dokumentierte das per Wildtierkamera und zeigte die Aufnahmen anderen Bewohnern des Platzes und der Platzleitung. Der 72-Jährige fürchtete um seine Parzelle und hatte auch Angst, dass das Video ins Internet gestellt werden könnte.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der nun verurteilte Angeklagte dann am 13. August in Tötungsabsicht handelte, als er ein Jagdmesser mit 15-Zentimeter-Klinge mitnahm, den 56-Jährigen zur Rede stellen wollte und ihn schließlich auch attackierte. Die Verteidigung hatte ihr Plädoyer auf Freispruch mit „Notwehr“ begründet.

Aufgrund des Gutachtens eines psychologischen Sachverständigen schloss das Gericht nach Angaben des Sprechers nicht aus, dass „die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten aufgrund der von ihm als aussichtslos empfundenen Situation erheblich vermindert war“.

Der Angeklagte akzeptierte das Urteil noch im Gerichtssaal. Die Entscheidung ist damit rechtskräftig.

VON HOLGER BODEN

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