Frauen verdienen 21 Prozent weniger / Heute Protest in Gifhorner Innenstadt

„Unverständlicher“ Zustand

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Zum Equal Pay Day gab es am Wochenende zahlreiche Informations- und Demonstrationsveranstaltungen. Auch heute wird in der Grifhorner Fußgängerzone gegen die Ungleich-Bezahlung von Männern und Frauen protestiert.

Landkreis Gifhorn. Noch immer verdienen Frauen rund 21 Prozent weniger als Männer – ein Zustand, der beim internationalen Equal Pay Day am Wochenende scharf kritisiert wurde – und es auch heute in der Gifhorner Fußgängerzone noch wird.

„Mit einer Frauenbeschäftigungsquote von rund 52 Prozent und einer durchschnittlichen Teilzeitquote von 30 Prozent sowie mit einem Minijobanteil von 18,6 Prozent – gemessen an allen sozialversicherten Beschäftigten – liegen wir im Landkreis leicht unterdurchschnittlich, was die Beschäftigung von Frauen im Arbeitsmarkt angeht“, erklärt Christine Gehrmann, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Gifhorn. „Und damit einhergehende Vollzeitbeschäftigung und somit auch Verdienstmöglichkeiten.“

Was man tun kann

Um Frauen und Männern gleiche Chancen am Arbeitsmarkt zu ermöglichen, ist es laut Gehrmann notwendig, die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf zu erleichtern. Dazu gehöre auch der Ausbau institutioneller Rahmenbedingungen wie eine bedarfsgerechte Kinderbetreuungsinfrastruktur. „Hier sind wir im Landkreis leider immer vom Ziel noch weit entfernt – was die jüngsten Ergebnisse in Stadt und Umland zeigen, wo immer noch eine erhebliche Zahl an Betreuungsplätzen gerade auch für Unter-Dreijährige fehlt.“

Ebenfalls wichtig sei eine familienorientierte Personal- und Organisationsentwicklung in den Unternehmen sowie auch die Ausweitung der Entlastungsangebote für pflegende Angehörige. „Einige Unternehmen sind da schon auf dem guten Weg, andere könnten sicher noch mehr tun“, ist Gehrmann überzeugt. „Wir haben viele sehr gut qualifizierte Frauen, die eine adäquate Beschäftigung suchen. Aber die Vereinbarkeit ist immer noch ein zentraler Punkt gerade für Frauen. Und die oft langen Anfahrtswege machen eine Vollzeittätigkeit nicht einfach.“ Flexible Arbeitszeiten seien dabei das A und O. „Und wenn die Qualifikation nicht 100 Prozent passt, machen viele Firmen von sich aus schon Anpassungsqualifizierungen. Ich denke, das ist ein sehr guter Weg und bringt sicher aus etwas gegen den Fachkräftemangel“, meint die Gleichstellungsbeauftragte. Das Rückkehrrecht zu Vollzeit nach der Familienphase könne zusätzlich eine wirksame Maßnahme zur Schließung der Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen im Erwerbsverlauf sein. Auch hier könne eine Firma von sich aus etwas tun, ohne gleich auf Tarifverträge oder Gesetze zu schielen.

„Grundsätzlich kann ich unterschiedliche Bezahlungen von Frauen und Männern für gleiche Tätigkeiten überhaupt nicht verstehen – das ist von vorgestern und passt nicht zu einem hochmodernen Industriestandort wie Deutschland“, sagte Gehrmann überzeugt. „Das wir in Deutschland 2017 überhaupt noch über so etwas reden müssen, ist mir unverständlich.“

Heute Protest in Gifhorn

Nachdem sich am Wochenende bereits zahlreiche Verbände, Vereine und Gewerkschaften für Gleichbezahlung von Männern und Frauen eingesetzt haben, ruft der SoVD-Kreisverband heute in Gifhorn zum Protest auf. „Frauen müssen endlich genauso bezahlt werden wie Männer“, fordert SoVD-Kreisfrauensprecherin Marion Meyer. „Wir werden mit einem Informationsstand in der Gifhorner Fußgängerzone auf diese Lohndiskriminierung aufmerksam machen. Unsere Aktiven im SoVD begleiten den Protesttag mit vielen roten Stofftaschen, die auf die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen hinweisen sollen“, erläutert Meyer. Zusätzlich werden rote Sonnenbrillen verteilt – „weil vielen noch immer der Durchblick fehlt“, so die Frauensprecherin.

Anlässlich des Equal Pay Day macht sie noch einmal die grundsätzlichen Forderungen des SoVD klar: „Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Das ist auch für die späteren Renten der Frauen sehr wichtig, sonst droht ihnen Altersarmut. Und neben denselben Karrierechancen wie Männer brauchen Frauen auch eine deutlich bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Von Dennis Klüting

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