Unerfahrenheit, Arbeitslosigkeit und Scheidung sind im Landkreis Gifhorn oft Ursachen für Schulden

Überschuldung per Mausklick

  • Dennis Klüting
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Landkreis Gifhorn. Im Jahr 2016 haben 95 010 Personen in Niedersachsen den Service einer Schuldnerberatungsstelle in Anspruch genommen.

Wie das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) mitteilt, war jede beratene Person durchschnittlich mit 28 354 Euro bei ihren Gläubigern verschuldet.

Arbeitslosigkeit stellte mit 23,3 Prozent den Hauptauslöser der Überschuldung dar. 14,8 Prozent der beratenen Personen gaben Trennung, Scheidung, Tod der Partnerin oder des Partners als Ursache an, bei 13,9 Prozent lösten Erkrankung, Sucht oder Unfall ursächlich die Überschuldung aus. Marianne Höpken, Geschäftsführerin der Awo-Schuldnerberatung in Gifhorn, kann diesen Trend auch für die Region bestätigen: „Oft ist es aber auch die wirtschaftliche Unerfahrenheit. Viele Leute wissen gar nicht, worauf sie sich etwa bei einem Kredit einlassen.“ Immer häufiger seien auch psychische Erkrankungen die Ursache für die Schulden.

Die Ratsuchenden hatten landesweit überwiegend (49,9 Prozent) Schulden bei sonstigen öffentlichen Gläubigern (ohne Finanzamt), aber auch bei Telekommunikationsunternehmen (45,9 Prozent), durch Ratenkredite (34,7 Prozent) und bei Versicherungen (31,1 Prozent). Mehrfachnennungen waren möglich. Insbesondere in der Altersklasse der 20- bis unter 25-Jährigen gaben 69,8 Prozent der beratenen Personen an, offene Forderungen bei Telekommunikationsunternehmen zu haben.

Bei der Gifhorner Schuldnerberatung spielten Forderungen aus Handy-Verträgen besonders bei Jugendlichen eine Rolle. „Bei vielen Verträgen bekommt man das neueste Smartphone-Modell dazu“, sagte Höpken. „Und das wollen sie ja alle.“ Insgesamt seien Schulden aus Handyverträgen aber eher rückläufig. „Durch Prepaid-Karten kann dem gut Einhalt geboten werden.“ Die Schuldnerberaterin sieht eine große Gefahr im Internet: „Das ist oft sehr unübersichtlich. Ein falscher Klick, und schon ist’s passiert.“

Um den Ratsuchenden aus der Bredouille zu helfen, versucht Höpken immer erst, sich einen Überblick über die finanzielle Situation zu verschaffen. „Für viele ist die Verbraucherinsolvenz oft die einzige Lösung“, so Höpken. „Aber selbst die hilft manchmal nicht, und die Leute stehen schon kurz nach dem Ablauf des Insolvenzverfahrens mit neuen Schulden da.“ Dies komme besonders oft bei Arbeitslosigkeit vor, wenn etwa Teile der Miete nicht vom Amt übernommen werden.

„Ein großes Thema, was auf uns zukommt, ist aber die Altersarmut“, ist sich Höpken sicher. „Viele sind heute schon betroffen und trauen sich nicht zu uns. Und das wird nur noch schlimmer. Und auch die Kinderarmut muss man im Auge behalten.“

Von Dennis Klüting

Rubriklistenbild: © dpa

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