Kommunen im Landkreis suchen bis Jahresende Wohnraum für 1350 Flüchtlinge

Kreis Gifhorn: Kommunen suchen Wohnraum für 1350 Flüchtlinge

„Flüchtlingsgipfel“ des Landkreises gestern im großen Sitzungszimmer des Gifhorner Schlosses.
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„Flüchtlingsgipfel“ des Landkreises gestern im großen Sitzungszimmer des Gifhorner Schlosses.

Gifhorn. Der Landkreis steht bei der Flüchtlingsunterbringung vor einer gewaltigen Aufgabe: Derzeit wird mit rund 1350 weiteren Menschen gerechnet, für die bis Jahresende Wohnraum gefunden werden muss.

1050 Flüchtlinge haben der Landkreis und seine Kommunen bislang aufgenommen.

Diese Zahlen nannte Landrat Dr. Andreas Ebel gestern nach einem Abstimmungsgespräch mit den Rathauschefs aus dem Landkreis sowie den beiden Bundestagsabgeordneten Ingrid Pahlmann (CDU) und Hubertus Heil (SPD) im Gifhorner Schloss. Wo die Flüchtlinge unterkommen sollen, nachdem die Kaserne in Ehra-Lessien zu einem Erstaufnahmelager umfunktioniert worden ist – diese Frage kann derzeit noch niemand dezidiert beantworten. „Wir sind auf der Suche, wir sind auf unterschiedlichsten Ebenen in Gesprächen“, sagte Ebel.

Aus der Runde der Hauptverwaltungsbeamten hieß es unisono, dass in den Städten und Samtgemeinden keine Unterbringungs-Reserven mehr bekannt seien. „Wir sind an einer Grenze“, sagte etwa Hankensbüttels Verwaltungschef Andreas Taebel mit Blick auf die Wohnraum-Situation in seiner Samtgemeinde, die ihre Quote von bislang 52 Asylbewerbern mit 92 deutlich übererfüllt hat. Mit 50 weiteren Flüchtlingen, die der Kommune zugewiesen werden, rechnet Taebel bis Jahresende.

Auch Bundespolitiker Heil hat registriert, dass der Wohnungsmarkt selbst in den bis vor kurzem noch von einigem Leerstand geprägten Kommunen „am Anschlag“ ist. Darunter leiden auch sozial schwache Bürger. Ein Bündel von Maßnahmen solle daher mittelfristig für Entlastung sorgen. Dazu gehöre eine „konsequente Rückführung“ von Flüchtlingen, die keine Aussicht auf ein dauerhaftes Bleiberecht haben. Gemeint sind damit in der Regel Asylsuchende vom westlichen Balkan – diese, so hieß es gestern, machten bislang mehr als 80 Prozent der bislang im Landkreis Gifhorn untergebrachten Asylbewerber aus. Heil sagte allerdings auch, er mache sich „nicht die Illusion“, dass durch Abschiebungen bis Jahresende viel Wohnraum frei werden könne. Es gehe jedoch auch um „ein Signal in die Herkunftsländer“.

Der Bund wolle, wie Pahlmann und Heil erläuterten, zudem Anreize für Investoren schaffen, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren. Pahlmann ergänzte, eventuell könne auch eine Art Konjunkturprogramm für Kommunen gestartet werden, um solche Bauprojekte zu realisieren.

Klar ist: Auch das hilft nicht kurzfristig. Dass die Erstaufnahme in Ehra für den Landkreis möglicherweise eine geringere Flüchtlingsquote bedeutet, greift ebenfalls erst 2016. Die Runde um Ebel war gestern dennoch zuversichtlich, die Herausforderungen bis Ende Dezember zu bewältigen – auch mit Solidarität untereinander. So besuchen derzeit beispielsweise fünf Flüchtlingskinder aus Gifhorn eine Wesendorfer Schule, weil in der Kreisstadt kein Platz mehr ist.

Beim Wohnraum laufen mancherorts Kaufverhandlungen zwischen der Kommune und privaten Immobilienbesitzern, um weitere Gebäude nutzen zu können. In Wesendorf hält sich das Gerücht, dass auch Wohnraum in der ehemaligen Kaserne genutzt werden soll. Fakt ist das bisher nicht – aber laut Samtgemeindebürgermeister René Weber zumindest eine Option, über die man eventuell verhandeln muss.

Erklärtes Ziel aller Hauptverwaltungsbeamten gestern: Die Nutzung von Turnhallen oder anderen öffentlichen Einrichtungen als Flüchtlingsunterkünfte soll vermieden werden.

Von Holger Boden

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