„Schlimmer als 2019“

Wie die Trockenheit die Landwirtschaft im Nordkreis trifft

+
Kühle Dusche im Kuhstall – doch die Trockenheit bringt noch ganz andere Probleme für die Milchviehhalter, weil kaum Futter wächst.

Isenhagener Land – Sonne und Wind dürren seit Wochen die Böden im Isenhagener Land aus – ein echtes Ende der Trockenheit ist nicht in Sicht. Die vage Hoffnung auf ein paar Schauer ist nichts, was den Landwirten entscheidend weiterhilft.

Klaus-Dieter Böse, Geschäftsführer des Landvolks Gifhorn-Wolfsburg, ist sich mit Blick auf die aktuelle Situation sicher: „Das ist schlimmer als 2019.“

Damit wählt er als Referenzjahr zwar nicht das ganz besonders trockene Jahr 2018 – doch andererseits ist ja erst April. Für die Bauern im Nordkreis droht im dritten Jahr in Folge eine sehr schwierige Saison.

Und für manchen Landwirt kommt es angesichts der Corona-Krise besonders dick. „Corona spielt da mit rein“, sagt Böse auf die aktuellen Probleme, die besonders die Milchviehhalter treffen. Denn wegen der Pandemie sei der Handel mit der Rinder-Nachzucht quasi zum Erliegen gekommen, der Export der Tiere eingeschlafen. Das bedeutet: Im Stall stehen jetzt auch jene Tiere, die eigentlich verkauft werden sollten – und müssen zusätzlich zum eigentlich geplanten Bestand gefüttert werden. Das Futter jedoch droht für viele betroffene Betriebe, wie schon in den Vorjahren, bereits jetzt knapp zu werden. „Auf dem Grünland erfolgt derzeit der erste Schnitt“, sagt Böse. „Der Ertrag ist äußerst gering.“

Auch die Ackerbauern spüren schon die Auswirkungen der Trockenheit: „Das sieht man schon an den ersten hellen Stellen im Getreide“, so Böse. Die Landwirte seien also bereits gezwungen zu beregnen, auch, weil sonst die im Dünger enthaltenen Nährstoffe nicht gelöst werden. Der einstmals ach so launische April ist eigentlich keine klassische Beregnungszeit.

Für Blühflächen und Brachen sieht Böse eine besondere Gefahr in der aktuellen Wetterlage mit ihren warmen Tagen und klaren, kalten Nächten: Wenn es schlecht laufe, dann komme es auf diesen Flächen zur Keimung, und „die Nachtfröste machen das dann kaputt“.

Das Isenhagener Land gilt als traditionelle Kartoffel-Hochburg – auch diese Feldfrucht braucht nach Böses Angaben jetzt eigentlich schon Beregnung. Denn die Kartoffeldämme auf den Feldern werden unter der gleißenden Aprilsonne zu instabil: „Der Boden rutscht weg, die Dämme fallen zusammen“, skizziert Böse.

Mit all diesen Problemen dürfte auch 2020 für die Landwirtschaft in der Region vor allem im Zeichen einer Diskussion um Wassermengen stehen. Schon die Vorjahre waren vom Ringen um höhere Beregnungsquoten geprägt. „Wir sind da permanent in Gesprächen“, sagt Böse, der eine gewisse Skepsis, ob die Landwirte denn auch erhört werden, nicht verbirgt. Doch er hofft, dass das Argument der vielzitierten Systemrelevanz verfangen wird: „Wir kämpfen für höhere Quoten, ganz klar. Es gibt ja im Grundwasser noch Reserven.“

VON HOLGER BODEN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare