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Das Tier und der Mythos

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Polarisiert: der Wolf als Rückkehrer.
Polarisiert: der Wolf als Rückkehrer. © Archiv

Emmen/Unterlüß. Rund 200 Jäger sowie Gäste aus Verwaltung, Jagdorganisationen und Naturschutzverbänden trafen sich auf Einladung des Niedersächsischen Forstamtes Unterlüß jetzt in Emmen zu einem Rückblick auf das vergangene Jagdjahr.

Forstamtsleiter Dr. Hans-Martin Hauskeller und Betriebsdezernent Arne Riedel informierten über Forstwirtschaft, Naturschutz und Jagd in den Landesforsten und gaben Ausblicke zu aktuellen Themen.

Im Jagdjahr 2014/15 wurden im Forstamt Unterlüß insgesamt 1968 Stück Schalenwild erlegt, davon 307 Stück Rotwild und 558 Wildschweine. „Insbesondere die Bejagung des Rotwildes erfordert laufende Anpassungen in der Jagdstrategie, denn auch diese Wildart ist lernfähig“, sagt Riedel. Wild ist unverzichtbarer Bestandteil des Ökosystems Wald. Ziel der Jagd im Forstamt Unterlüß sind dabei angepasste Wildbestände, um einen arten- und strukturreichen Waldaufbau zu ermöglichen. Die gemeinschaftlichen Waldjagden auf Schwarzwild gestalteten sich im vergangenen Herbst anfangs schwierig, da die Schwarzkittel wegen der milden Witterung lange in den Mais- und Gründüngungsflächen bleiben konnten.

„Die Artenvielfalt im uns anvertrauten Landeswald war noch nie so hoch wie heute. Viele seltene Arten wie beispielsweise Schwarzstorch, Seeadler und Sperlingskauz finden in unseren Wäldern ihren Lebensraum“, erklärt Forstamtsleiter Hauskeller.

Das Forstamt Unterlüß liegt mit seinen rund 20 000 Hektar Waldflächen zudem im Zentrum des Wolfsvorkommens im östlichen Niedersachsen.

Um die Beziehung von Mensch und Wolf einmal möglichst differenziert und neutral zu betrachten, hatte das Forstamt eine Umweltethikerin eingeladen. Dr. Nathalie Soethe von der Universität Greifswald referierte zum Thema „(Ein-) Blick auf Wölfe aus umweltethischer Sicht“.

Die Wissenschaftlerin zeigte sich in ihrem Vortrag nicht verwundert über die starken Emotionen seitens der Bevölkerung: „Im Sozialverhalten ähnelt der Wolf dem Menschen mehr als viele andere Wildtiere.“ Die Referentin zog einen weiten geografischen, geschichtlichen und kulturellen Bogen zum Gegen-, Neben- und Miteinander von Menschen und Wölfen. So bezögen sich Argumente im Wolfschutz unter anderem auf den ökologischen Nutzen des Wolfes. Beispielsweise könne er durch selektive Jagd zu einer gesteigerten Vitalität von Schalenwild beitragen.

Dem Nutzen von Wölfen stehe aber eine konkrete Gefahr für Nutztiere und eine mögliche Gefährdung von Menschen gegenüber, so die Referentin: „Um das Verhalten der Wölfe einschätzen zu können, sind Faktenwissen und praktische Erfahrungen wichtig. Hierzu leistet das Wolfsmonitoring einen wichtigen Beitrag.“ Nicht zuletzt seien Mythen und Legenden zum Wolf ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Der ‘Mythos Wolf’ sei jedoch nicht gleichzusetzen mit dem Wildtier.

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