Landkreis Gifhorn: Vereine und Vermieter müssen Wasser auf Salmonellen untersuchen lassen

Teure Untersuchungspflicht

Duschen sind eine Gefahrenquelle, was Erkrankungen mit Legionellen angeht. Der Grund: Legionellen können über den Wasserdampf in die Lunge geraten. Fotos: dpa, Hoppmann

Landkreis Gifhorn. Stefan Lemmermann staunte nicht schlecht, als er an seiner Arbeitsstelle, beim Wasserverband Gifhorn, rein zufällig auf die neue Trinkwasserverordnung stieß. Für den Kassenwart des SV Sprakensehl waren es teure Neuigkeiten.

Denn Vereine und Vermieter müssen künftig ihr Trinkwasser auf Legionellen untersuchen lassen.

Im Jahr 2011 wurde die Trinkwasserverordnung neu geregelt. Lemmermann und viele andere bekamen von den Neuerungen jedoch nichts mit. Auch im Internet ist wenig über dieses Thema zu finden. Das ist fatal. Denn: Bis zum 31. Dezember muss eine Untersuchung durch ein akkreditiertes und vom Land gelistetes Labor durchgeführt werden. Wenn bis dahin nichts geschehen ist, drohen saftige Bußgelder vom Gesundheitsamt. Wer genau sein Wasser untersuchen muss, steht im Infokasten rechts.

Legionellen sind winzige in Wasser beheimatete Stäbchenbakterien, die in geringer Konzentration unbedenklich sind. Gefährlich werden die Bakterien nur dann, wenn sie in hoher Konzentration in die Lunge gelangen, etwa durch Wasserdampf. Da dieser besonders unter Duschen entsteht, müssen diese nun kontrolliert werden.

Die Furcht vor den Bakterien und deren Auswirkungen ist nicht unbegründet. 2012 wurden laut Robert-Koch-Institut insgesamt 655 Legionellosen (durch Legionellen hervorgerufene Atemwegserkrankungen) übermittelt. 31 Fälle endeten tödlich. Allerdings weist das RKI darauf hin, dass die erfassten Fälle nur einen Bruchteil der tatsächlichen Erkrankungen repräsentieren. Die Dunkelziffer ist also deutlich höher. Nach Schätzungen des deutschen Kompetenznetzwerks für ambulant erworbene Pneumonien (CAPNETZ) geht man von jährlich etwa 15 000 bis 30 000 Fällen aus. Besonders ältere Erwachsene mit einem schwächeren Immunsystem sind gefährdet.

Die Intention hinter der Untersuchungspflicht ist also, diese hohen Zahlen zu reduzieren. Auch Kommunen sind gefragt: Die Stadt Wittingen etwa rüstet bekanntlich für viel Geld den Sanitärtrakt der „gelben“ Oberschul-Sporthalle um – auch, um der Trinkwasserverordnung zu genügen.

Zurück zu Stefan Lemmermann und dem SV Sprakensehl. Für die kleinen Sportvereine werden die noch kleineren Bakterien zum erheblichen Kostenfaktor. Einmal jährlich muss der SVS nun das Wasser, das aus zehn Duschköpfen kommt, kontrollieren lassen. Das geht an den Geldbeutel. „Nicht ohne“ seien die Kosten, meint Lemmermann. Mindestens 200 Euro würde die reine Kontrolle kosten, die Herstellung von notwendigen Probeentnahmestellen zusätzlich 300 bis 500 Euro. Lemmermann: „Jeder Verein ist dafür selbst verantwortlich. Da steckt ein gewisser Aufwand hinter.“

Auch beim SV Sprakensehl machte man sich Gedanken. „Wir haben überlegt, ob wir die Pflicht umgehen können“, berichtet Lemmermann. Da er sich beim Thema Wasser auskennt, kannte er die Alternative eines elektrischen Durchlauferhitzers. Relativ schnell wurde die Idee aber wieder verworfen. Zehn Duschköpfe seien damit nicht auf einmal zu versorgen, wenn nach einem Fußballspiel zwei Mannschaften gleichzeitig duschen wollen. „Das ist für einen Vermieter interessanter“, sagt Lemmermann. Sportvereine bleiben ohne Alternative.

Besonders für kleine Vereine ist die Verordnung ein Mammut-Akt. Frühzeitige Informationen wären wünschenswert gewesen, kamen aber nicht. „Ich vermisse die Aufklärung vom Landkreis und auch vom Sportbund“, bemängelt Lemmermann. „Es gab kein Schreiben an den Verein.“

Eine Sache macht ihn darüber hinaus stutzig. „Ein Arbeitgeber muss für seine Mitarbeiter die Duschen nicht kontrollieren.“ Er fragt sich: „ Grundsätzlich habe ich nichts gegen die Regelung, wenn Salmonellen aber wirklich gefährlich sind, warum gilt sie dann nicht für alle?“

Schon ab dem 1. Dezember 2013 verschärft Niedersachsen seinen Grenzwert für Blei im Trinkwasser. Alte Bleileitungen im Haushalt zählen nach wie vor zu den wesentlichen Ursachen für eine Trinkwasserbelastung. Das Gesundheitsministerium greift deshalb durch. Vermieter und Vereine müssen auch hier auf der Hut sein.

Von Eike Hoppmann

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