Schnaps und Zigaretten

Test: Jugendliche kaufen Alkohol - Ergebnis desaströs

Das Ergebnissen bei Testkäufen von Alkohol durch minderjährige Jugendliche fiel erneut ziemlich schlecht aus. Foto: dpa

LANDKREIS GIFHORN - Seit fünf Jahren lässt der Landkreis Gifhorn regelmäßig minderjährige Jugendliche unter Aufsicht (Polizei und Jugendamt) testweise Schnaps und Zigaretten kaufen. Das Ergebnis des jüngsten Tests ist erschreckend.

„Die Zahlen werden einfach nicht besser“, stellt Kreis-Jugendpfleger Bernd Schuhose enttäuscht fest. Und jedesmal bekommen die Testkäufer in mehr als der Hälfte ihrer Versuche Alkohol und Tabakwaren ausgehändigt.

Vor einer Woche schickte Schuhose zwei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren in Hankensbüttel und Wesendorf los. Das Ergebnis: Bei 17 angesteuerten Verkaufslokalen gaben 11 Verkäufer Schnaps an die Jugendlichen ab. „Zigaretten hätten sie auch bekommen können“, sagt Schuhose. In einer Spielhalle hätten die Jugendlichen problemlos vier Euro in einem Automaten verdaddeln können. Dort darf erst ab der Volljährigkeit gespielt werden. Aufgrund des desaströsen Ergebnisses kündigte Schuhose weitere Testkäufe im Landkreis an.

Auffällig sei gewesen, dass sich das Verkaufspersonal zwar den Ausweis habe zeigen lassen, dass dann aber das Alter der Jugendlichen falsch berechnet worden sei. Mittlerweile gebe es bereits Kassen, die beim Scannen des Strichcodes von Schnapsflaschen das tagesaktuell frühstmögliche Geburtsdatum (heute: 28. März 1996) für den Verkauf anzeigen. „Die gab’s auch in einigen getesteten Geschäften“, sagt Schuhose. Er glaubt: „Böser Wille ist beim Verkaufspersonal nicht vorhanden, sondern Unachtsamkeit oder Stress.“ Das hätten die Gespräche gezeigt, wenn er nach illegalem Verkauf mit der Polizei im Verkaufsraum auftauche. „Die Leute fallen aus allen Wolken.“ Kein Wunder: Im Nachgang ist ein Bußgeld von 500 Euro fällig.

Weil die schlechten Zahlen bei den Testkäufen nicht besser werden, könnten weitergehende Aktionen als Testkäufe angedacht werden, so Schuhose. In Braunschweig sei Personal bereits geschult worden: „Speziell auf Stresssituationen an Kassen.“ Kassiererinnen haben möglicherweise Scheu, sich auf einen Disput mit Jugendlichen einzulassen, mutmaßt Schuhose.

Dass Kassiererinnen vor allem bei Discountern unter enormen Druck stünden, bestätigt Kornelia Jung. Sie ist bei der Gewerkschaft Verdi in Braunschweig zuständige Sekretärin für den Handel. „Das Personal muss in einer bestimmten Zeit bei einer bestimmten Anzahl von Kunden kassieren“, sagt sie. Das werde regelmäßig von Testkäufern von Discountern kontrolliert, so die Gewerkschafterin.

Von Jens Schopp

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