Gifhorn: Arbeitnehmer kritisieren die Geschäftsführung

Tarifstreit bei IAV

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Sabine Irmler und Dietmar Brennecke kritisierten vor der Belegschaft die Argumente der Geschäftsführung der IAV.

Gifhorn. Es rumort bei der Arbeitnehmerschaft von IAV. Nach dem Abschluss der Tarifverhandlungen der Metall und Elektroindustrie mit einer Einmalzahlung, 4,3 Prozent mehr Lohn und Gehalt, dazu sechs bis acht Tage frei für die Pflege von Kindern oder Angehörigen, sollten nun die Verhandlungen für die Belegschaft des Zulieferers beginnen.

Doch die wurden nun kurz nach dem Beginn bereits abgebrochen. Nun starteten die Arbeitnehmervertretungen an allen deutschen Standorten Aktionen, um die Belegschaften zu informieren – auch in Gifhorn.

„Wir sind mit den Erwartungen des bereits abgeschlossenen Flächentarifplans in die Verhandlungen gegangen. Doch dann kam der berühmte Auftritt der Arbeitgeber“, erklärte Dietmar Brennecke, Mitglied der Tarifkommission und Betriebsrat sowie Vertrauenskörper vor dem Gifhorner Standort den Arbeitnehmern. Von „Verantwortung für den Erhaltung und die Sicherung von IAV“ hätten die Arbeitgeber gesprochen, eine „gute Auftragslage, aber schlechte Rendite“ angeführt, von einem „historischen Tag für die IAV“ geredet. Zudem gab es gleich die Forderung nach einer „Tariftabelle Zukunft“ als Einstieg in die Verhandlungen. „Dazu wurden allerdings keine weiteren Angaben gemacht“, kritisierte Brennecke. „Mit der neuen Entgelttabelle wollen die Arbeitgeber 14 Millionen Euro einsparen. Die Arbeitgeber treiben die gleiche Sau durchs Dorf wie vor anderthalb Jahren“, so Brennecke weiter.

Über die Gewerkschaftforderung von 6 Prozent mehr Lohn ist gar nicht geredet worden, fügte Betriebsrätin Sabine Irmler hinzu. „Angeblich fehlen 250 Millionen Euro für Investitionen. Das ist für uns nicht nachvollziehbar.“ Es gebe keine Anzeichen für eine dramatische Situation. Noch Mitte Dezember hatte Geschäftsführer Michael Schubert gesagt, dass es der IAV gut gehe, bis auf eine kleine Tochterfirma. Acht Wochen später stehe man angeblich am Abgrund.

Kritik gab es seitens der Arbeitnehmervertreter auch an der Kommunikationspolitik der Arbeitgeber. So sei in der Verhandlungspause eine Mail an alle Mitarbeiter geschickt worden. „Nachrichten mit schlechten Inhalten werden grundsätzlich am Freitag verschickt, sodass das jeder mit ins Wochenende nimmt“, kritisierte Betriebsratsvorsitzender Mark Becker. „Es wird sich beklagt, man könne die Preise nicht durchsetzen. Das ist aber Aufgabe der Geschäftsführung. Die müssen den Weg frei kämpfen“, sagte Becker Richtung Berliner Geschäftsführung, die „ein Unternehmen beschreibe, das wirtschaftlich gefährdet sei“.

Auch dass die neue Tariftabelle „der einzige Weg“ sei, stellte Becker in Abrede, zumal die bisherige Tabelle seitens der Arbeitnehmer nicht gekündigt sei. „Die Arbeitgeber haben nur eine Idee, die IAV zukunftsfähig zu machen. Hut ab!“, so Becker. Gemeinsam wolle man nun für die Interessen der Arbeitnehmer kämpfen. Dazu benötige man die Unterstützung der Arbeitnehmer. „Sollte es bis nächsten Freitag keine weiteren Gespräche geben, werden die Aktionen weitergehen. Das Motto: Schluss mit der demotivierenden Kampagne, motivierender Abschluss für alle“, sagte Irmler.

Für eine Stellungnahme war seitens des Unternehmens niemand zu erreichen.

Von Burkhard Ohse

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