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Wittinger und Gifhorner Tafel in der Krise

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Von: Burkhard Ohse

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Bei der jüngsten Sitzung des Kreis-Sozialausschusses berichtete Thomas Finnern von der schwierigen Situation für die Wittinger Tafel
Thomas Finnern berichtete dem Kreis-Sozialausschuss von der prekären Lage der Wittinger Tafel. © Burkhard Ohse

Immer mehr Zulauf haben die beiden Tafeln in Gifhorn und Wittingen. „Die Tafeln sind nicht mehr in der Lage, alle so zu versorgen, wie sie es sich vorstellen“, erklärte Heike Busse vom Fachbereich Soziales des Landkreises Gifhorn den Mitgliedern des Kreis-Sozialausschusses.

Gifhorn/Wittingen – Bei einem Besuch der Tafeln haben die Mitarbeiter für die Schutzmaßnahmen gedankt, die installiert werden mussten. „Bei dem Termin zeigte sich der große Andrang“, sagte Busse. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter arbeiteten an der Kapazitätsgrenze und waren erschöpft, stellte sie außerdem fest. Beide Tafeln hätten rund 30 bis 50 Personen auf den Wartelisten, die sie derzeit nicht versorgen könnten. Außer der Überlastung der Ehrenamtlichen müsse man die finanzielle und die Raumsituation in den Blick nehmen.

Die Angaben bestätigte Edeltraud Sack, Leiterin der Gifhorner Tafeln. „Wir versorgten in der Spitze täglich 300 Personen, darunter viele Geflüchtete, und arbeiten bis 22 Uhr.“ Derzeit habe es sich auf 200 Besucher eingependelt. Sie sei dankbar, dass jeder mitgezogen habe. Wegen Verständigungsproblemen aufgrund von Sprachbarrieren sei die Lage zu Beginn angespannt gewesen, sodass man auch die Polizei habe rufen müssen. Dass es „nicht so problemlos mit ausländischen Mitbürgern“ sei, bestätigte auch Thomas Finnern von der Wittinger Tafel. „Mit Englisch kann man sich manchmal behelfen.“ Einer Zunahme von 10 bis 15 Prozent an Personen stünden aber 30 Prozent Rückgang bei den Waren entgegen, was zu einer „elendigen Warteliste“ geführt habe.

„Es gibt nichts, weil wir nichts haben“, sagte Finnern. Das sei besonders schwierig, wenn es sich um Familien mit Kindern handele. Finanziell lebe man „von der Substanz“, die Unterdeckung betrage 500 Euro pro Monat. Durch die ukrainischen Geflüchteten habe sich die Lage noch einmal verschärft.

„Es gibt große Unterschiede zwischen Gifhorn und Wittingen, weil wir im Nordkreis weniger Spenden erhalten und schlechter mit Firmen aufgestellt sind“, sagte Finnern. Zudem sei der Altersdurchschnitt der Ehrenamtlichen in Wittingen höher. „Alle sind im Rentenalter. Und wenn eine 76-Jährige schwere Kisten schleppen müsste, kann man sich vorstellen, wie schwierig das ist.“ Die Beschäftigung von Bundesfreiwilligen sei „nicht so prickelnd“ gewesen, sagte Finnern auf Nachfrage. Werbung weiterer Ehrenamtlicher sei ohne Erfolg geblieben.

Nun wolle man auch über soziale Medien werben. Derzeit arbeiteten 20 ehrenamtliche Helfer mit einem Altersdurchschnitt von 70 Jahren in Wittingen, die durchschnittlich 350 bis 400 Familien, das sind 1000 bis 1200 Personen, versorgen. Manchmal bekomme man Unterstützung aus Wahrenholzer und Hankensbüttler Schulen, doch das seien „Momentaufnahmen“.

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