Immer mehr ältere Menschen brauchen Hilfe vom Amt – auch im Kreis Gifhorn

Zur Tafel mangels Rente

Laura Osterloh-Gailliaert sieht zunehmend ältere Menschen bei der Tafel.
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Laura Osterloh-Gailliaert sieht zunehmend ältere Menschen bei der Tafel.
  • VonSteffen Kahl
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Landkreis Gifhorn. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mahnt: Altersarmut ist auf dem Vormarsch. Die Zahl der Menschen, die im Landkreis Gifhorn neben ihrer Rente auf Grundsicherung angewiesen sind, sei in den vergangenen zehn Jahren um 39 Prozent gestiegen.

1233 Bezieher von „Alters-Hartz-IV“ zählte der Landkreis zuletzt, teilte die NGG mit.

Die NGG Süd-Ost-Niedersachsen bezieht sich hierbei auf Angaben des Statistischen Landesamts und fordert einen Kurswechsel in der Rentenpolitik. Insbesondere Geringverdiener profitierten nicht von der gut gefüllten Rentenkasse. Und gerade Frauen und Alleinerziehenden bleibe trotz vieler Arbeitsjahre der Gang zum Sozialamt häufig nicht erspart.

Die NGG Süd-Ost-Niedersachsen plädiert für eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung, betont aber auch die Bedeutung der betrieblichen Altersvorsorge. Hier berichtet die NGG von einem Erfolg: In der Süßwaren- und Getränkeherstellung hat sie eine tarifliche Zusatzrente durchgesetzt. Und immerhin, so die NGG, gelte ab Januar, dass Betriebsrenten nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerechnet werden dürfen. Ein neues Gesetz garantiere hier Freibeträge.

Aus Sachsen-Anhalt kommt aktuell die Meldung, dass Altersarmut schon heute immer mehr Menschen bei den Tafeln anstehen lässt. „Man spürt die zunehmende Altersarmut“, sagte der Landesvorsitzende des Vereins, Andreas Steppuhn. Demnach kämen mehr ältere Menschen, deren Rente aufgrund von Langzeitarbeitslosigkeit und niedriger früherer Einkommen nur für eine gewisse Grundsicherung reiche.

Eine Entwicklung, die Laura Osterloh-Gailliaert von der Wittinger Tafel bestätigt: „Wir haben das Thema vor der Tür. Es gibt viele ältere Menschen, bei denen das Geld nicht reicht, und es werden immer mehr.“ Viele müssten erst ihre Scham überwinden, sähen die Tafel dann aber doch als wertvolle Hilfe an. Neben der Rentenpolitik müsse auch auf kommunaler Ebene etwas getan werden, meint Osterloh-Gailliaert. Sie meint, viele Menschen müssten so leben, dass es beschämend sei. „Einen Sozialstaat haben wir schon lange nicht mehr.“

Von Steffen Kahl

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