Vergangenheit und Zukunft des Historischen Museums Schloss Gifhorn

Ein Stück Heimat bewahren

Das Historische Museum Schloss Gifhorn wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Erst seit 1923 ist die Sammlung in dem alten Welfenschloss in Gifhorn untergebracht. Begonnen hatte alles in den Räumen der heutigen Freiherr-vom-Stein-Schule. Foto: Archiv
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Das Historische Museum Schloss Gifhorn wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Erst seit 1923 ist die Sammlung in dem alten Welfenschloss in Gifhorn untergebracht. Begonnen hatte alles in den Räumen der heutigen Freiherr-vom-Stein-Schule.

js Landkreis Gifhorn. . Das Historische Museum Schloss Gifhorn feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Und das gemeinsam mit dem Museums- und Heimatverein Gifhorn. Der wurde zum Zweck des Aufbaus des Museums am 20. Februar 1914 gegründet.

Und eben an diesem Tag – 100 Jahre später – laden Museum und Verein zur Festveranstaltung um 18 Uhr in den Rittersaal des Schlosses ein. Einen Tag später ist dann die Sonderausstellung im Schloss für jedermann geöffnet.

Das IK sprach mit Dr. Andreas Wallbrecht, Leiter des Historischen Museums, und Birthe Lehnberg, Kuratorin der Sonderausstellung. Das Gespräch führte Jens Schopp.

IK: Frau Lehnberg, Herr Wallbrecht, was bekommt der Besucher ab dem 21. Februar zu sehen?

Lehnberg: Wir zeigen eine Rundschau der 100-jährigen Geschichte des Historischen Museums Gifhorn. Wir zeigen Originalexponate aus dem Jahr 1914 und den folgenden Epochen. Wir präsentieren diese Ausstellungsstücke teilweise auch so, wie sie damals ausgestellt wurden.

Wallbrecht: Wir werden die Ausstellung und ihre Exponate auch an die Personen koppeln, die das Museum seit 100 Jahren begleitet und betreut haben.

Birthe Lehnberg

Lehnberg: Der Gründer des Vereins und des Museums war ein Kaufmann aus Hamburg. Bei ihm reifte die Idee bereits 1913. Um die Zeit der Jahrhundertwende idealisierte man den Heimatbegriff. Das war auch Folge der Industrialisierung. Die Eisenbahn kam in die Heide und mit ihr viele fremde Leute. Händler, aber auch „Gesindel“, so ist es uns von damals überliefert. Da wollten die Menschen sich mit einem Museum ein Stück Heimat bewahren. Man muss wissen, dass Gifhorn 1913 keine 5000 Einwohner zählte.

IK: Was weiß man heute noch über die Anfänge von Verein und Museum?

Wallbrecht: Das war natürlich nicht alles so professionell wie heute. Aber die Museumsleute von damals, meist waren es Lehrer und Pastoren, haben sich in die Materie hineingekniet.

Lehnberg: Eine Ausbildung zum „Museumsprofi“ gab es damals noch nicht.

Dr. AndreasWallbrecht

Wallbrecht: Aber sie näherten sich durch ihre intensive Arbeit einer Professionalität an. Das ist die Basis, von der unser Haus noch heute profitiert. Eine gewisses Niveau war schon immer da, auf das später aufgebaut werden konnte. Nicht umsonst haben wir 1994 den Museumspreis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung bekommen. Und der eigenständige Verein ist damals und heute untrennbar mit dem Museum verbunden. Er kauft Exponate an oder wirbt Fördermittel ein. Ohne das Zusammenspiel und die ehrenamtliche Unterstützung wäre das alles in den vergangenen 100 Jahren und heute nicht denkbar.

IK: Das Museum versteht sich als Regionalmuseum – und doch spielt der Begriff Heimat nach wie vor eine zentrale Rolle.

Lehnberg: Das ist richtig. Wir zeigen die Veränderung des Heimatbegriffs durch die Jahrhunderte. In den 30er Jahren wurde er politisiert, nach dem Krieg romantisiert. Heute wird Heimat kritischer wahrgenommen.

Wallbrecht: Heute meinen manche, in Zeiten von Digitalisierung und Internet braucht es ein Heimat- oder Regionalmuseum nicht mehr. Am Computer zu Hause bekomme ich doch alle Informationen. Das Gegenteil ist der Fall. Man braucht ein Museum mit seinen Originalen. Die Menschen merken, dass am PC etwas fehlt. Was passiert um mich herum? Das Interesse am lokalen Geschehen wächst. Nehmen sie den Urlaub: Früher musste es ein Urlaub am Mittelmeer sein, heute machen die Leute verstärkt Urlaub in Deutschland. Oder die Mittelalterfeste. Unter der Woche ist der Mensch beispielsweise Computerfachmann in Schlips und Kragen, am Wochenende sucht er das vermeintlich Authentische und Einfache als Knappe bei einem Mittelalterfest.

IK: Wie sehen Sie die Zukunft des Historischen Museums Schloss Gifhorn?

Lehnberg: Wir sehen, dass sich Grundschulkinder immer von Originalobjekten begeistern lassen. Vor allem solche, mit denen sie nicht mehr groß geworden sind oder die sie gar nicht kennen. Bei älteren Jugendlichen wird’s schon schwieriger. Wir müssen mit ihnen ins Gespräch kommen, um zu erfahren, was sie in einem Museum sehen wollen oder was sie davon erwarten.

Wallbrecht: Interaktive Präsentationen werden sicher mehr werden. Moderne Medien bieten wir allerdings jetzt schon. Wir werden aber auch weiterhin ein Angebot für alle Altersgruppen vorhalten.

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