Sprache fördert die Lautbildung: AG für Grundschüler in Hohne / Schwierige Schriftsprache / Nachwuchssorgen

Stirbt Plattdeutsch langsam aus?

Plattdeutsch soll bewahrt werden: Dorothee Salig (von links), Marianne Gakenholz und Inge Lange sprechen zu Hause mit ihren Familien den Dialekt.
+
Plattdeutsch soll bewahrt werden: Dorothee Salig (von links), Marianne Gakenholz und Inge Lange sprechen zu Hause mit ihren Familien den Dialekt.

Ummern/Hohne. In Deutschland sprechen es rund sechs Millionen, davon vier Millionen sehr gut: Plattdeutsch. Eine geringe Anzahl, wenn man bedenkt, dass in Deutschland rund 80 Millionen Menschen leben.

Stirbt Plattdeutsch aus? Wo liegt das Problem, und wie lässt sich die Sprache erhalten?.

Darüber spricht IK-Volontärin Maike Scholz mit der Vorsitzenden der Landfrauen Hohne/Ummern, Dorothee Salig, mit der Leiterin der Plattdeutschen Gruppe, Inge Lange aus Ummern, und mit der Spechtshornerin Marianne Gakenholz, die an der Grundschule Hohne eine Plattdeutsch-Arbeitsgruppe (AG) gibt.

IK: Schauen wir zunächst auf den geschichtlichen Hintergrund. Wann ist Platt „verloren“ gegangen?

Dorothee Salig: Verloren gegangen ist es nach dem Krieg. Da wurden die Menschen, die Platt sprachen, als dumme Bauerntrampel angesehen.

IK: Also ist Platt eine Sprache der Generationen?

Marianne Gakenholz: Ja, aber auch das Bildungswesen hat Platt dann abgelehnt. In der Schule wurde Hochdeutsch gesprochen und deswegen ist es zu Hause verloren gegangen.

Inge Lange: Schließlich sollte das Hochdeutsch dann auch eine Vereinfachung in der Schule sein.

IK: Ab wann hat sich die Situation dann aber wieder geändert, so dass wieder stärker darauf geachtet wurde, Platt zu sprechen und die Sprache damit zu bewahren?

Gakenholz: Es hat sich erst in den letzten 15 Jahren verändert. Da hat das Land Niedersachsen auch mehr „Propaganda“ für Platt gemacht.

Lange: Wir in Ummern haben zum Beispiel 2006 mit unserer Plattdeutschen Gruppe angefangen.

Salig: Problematisch sind aber die vielen unterschiedlichen Varianten im Platt. Außerdem ist die Schrift sehr schwierig. Also es gibt eigentlich keine Schriftsprache.

IK: Aber wie schreiben Sie dann das Gesagte auf?

Salig: Man sitzt davor und sagt es sich immer wieder auf. So schreibt man es auch hin.

Gakenholz: Mann kann es nicht eins zu eins umsetzen.

Lange: …weil auch örtlich andere Begriffe benutzt werden. Wir diskutieren ganz häufig in der Gruppe darüber, wie wir etwas schreiben. Es muss schließlich auch ein Laie verstehen können, weil wir Platt ja auch weitergeben wollen.

IK: Sie erzählten, dass es in Ummern Plattdeutsch als Arbeitsgruppe des Landfrauenvereins seit 2006 gibt. Der Landfrauenverein wurde bereits vor 89 Jahren ins Leben gerufen. Wieviel Mitglieder haben Sie in der Plattdeutschen Gruppe?

Lange: Es sind 15 Teilnehmer in Ummern und in Hohne, wo es die Gruppe seit 2007 gibt, sind es auch um die 15 Teilnehmer.

IK: Und wo liegt der Altersdurchschnitt?

Gakenholz, Salig und Lange (zugleich lachend): Oh

Salig: Die Teilnehmer sind zwischen 50 und 80 Jahre alt. Ein Mal im Monat treffen wir uns und dann gibt es auch noch Sonderaktionen wie eine Plattdeutsche Führung durch Celle oder den Heiligen Hain, Sketche, lustige Nachmittage und Abende.

IK: Wo sehen Sie das Problem, dass sich wenig Jugendliche für Plattdeutsch interessieren?

Salig: Es ist wie mit einer anderen Fremdsprache. Es bleibt immer eine fremde Sprache, weil es nicht mehr häufig zu Hause gesprochen wird. Wir sprechen hier zu Hause untereinander, auch mit unseren Kindern, nur Platt. Die damalige Einstellung war es, dass man, wen man zuerst Platt lernt, kein richtiges Hochdeutsch lernen könne. Heute sagt man, dass die Stimme gerade durch das Sprechen von Platt die Lautbildung besser trainiert und das ist natürlich auch vorteilhaft für das Lernen von Fremdsprachen.

Lange: Häufig traut man sich auch nicht Platt zu sprechen. Ich habe anfangs immer aufgehört, Platt in der Öffentlichkeit zu sprechen, wenn mich jemand angrinste. Da ist man dann gehemmt.

Gakenholz: Platt war verpönt. Heute tun sich die Kinder damit schwer, das merke ich in der Schule auch. Manche haben häufig ein Gespür für das Plattdeutsche, wenn zum Beispiel Oma und Opa zu Hause mal auf Platt sprechen. In den ersten Momenten, in denen wir Platt in der AG sprechen, ist es für die Kinder immer lustig. Sie finden es unnormal und deswegen kommt es auch eigenartig rüber. Sie müssen erst ihre Hemmungen abbauen. Das funktioniert auch. Zum Beispiel, wenn wir gemeinsam singen oder Stille Post auf Platt spielen.

IK: Wäre es denn sinnvoll, Platt in den schulischen Alltag wieder fest zu integrieren?

(...)

Das ganze Interview lesen Sie am Donnerstag im E-Paper und in der Printausgabe des Isenhagener Kreisblattes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare