Skeptischer Blick auf Studie / Straftaten betrunkener Jugendlicher im Landkreis Gifhorn rückläufig

Statt Schnaps nun Cannabis

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Jugendliche greifen seltener zum Alkohol, so eine neue Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Landkreis Gifhorn. Die gestern veröffentlichte Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung lässt verlauten: Alkohol verliert für Jugendliche immer mehr an Reiz.

Griffen im Jahr 2004 noch 21 Prozent der 12- bis 17-Jährigen regelmäßig zu Wein, Bier und Schnaps, gaben in der Studie nur noch zehn Prozent der Befragten an, einmal in der Woche Alkohol zu konsumieren. Ähnliches gilt für die Zahl jugendlicher Rauschtrinker.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), sprach von einer „guten Nachricht“. Bernhard Schuhose bleibt indes skeptisch. „Wir sind bei solchen Zahlen immer sehr vorsichtig. Sie sind relativ umstritten“, kommentiert der Jugendpfleger des Landkreises Gifhorn das Studienergebnis. Zahlen zum jugendlichen Alkoholkonsum zu ermitteln, die die Realität tatsächlich widerspiegeln, sei schwierig, die Dunkelziffer entsprechend hoch.

Zudem sei Alkohol nur einer unter vielen Suchtstoffen. Rückmeldungen von Schulen und anderen sozialen Institutionen, die mit dem Landkreis zusammenarbeiten, hätten gezeigt, dass sich im Moment bei jungen Erwachsenen vor allem Cannabis rasant steigender Beliebtheit erfreue.

Bedeutet also auch: Wenn der Konsum eines Suchtstoffes nachlässt, konzentriert sich dieser scheinbar an anderer Stelle. Für den Landkreis war in der Vergangenheit vor allem Spielsucht ein Thema. Vermehrt wurden die ansässigen Spielhallen kontrolliert, Besitzer darauf hingewiesen, dass der Eintritt erst ab 18 Jahren erlaubt ist. Auch vom Landkreis veranlasste Alkohol-Testkäufe von Minderjährigen sollen wieder eine Rolle spielen. „Kurz vor den Sommerferien werden sie wieder stattfinden“, verkündete Schuhose. Fakten von Seiten der Gifhorner Polizei scheinen die Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung allerdings zu unterstützen. „Die Straftaten alkoholisierter Jugendlicher sind zurückgegangen“, weiß Polizeisprecher Christoph Nowak.

Von Melanie Friedrichs

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