Klinikpersonal in Gifhorn und Wittingen beteiligt sich an bundesweiter Protestkette

„Es spitzt sich weiter zu“

Bundesweit – auch in Gifhorn – wurden 162 000 Zettel mit fortlaufenden Nummern hochgehalten, um den Personalbedarf anzuzeigen.
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Bundesweit – auch in Gifhorn – wurden 162 000 Zettel mit fortlaufenden Nummern hochgehalten, um den Personalbedarf anzuzeigen.

Kreis Gifhorn. Deutschlandweit besteht laut Gewerkschaft Verdi ein Bedarf an 162 000 Arbeitskräften in Kliniken.

Um diese Zahl zu demonstrieren, gab es gestern bundesweit eine kurze Protestaktion, die sich gegen den neuen Gesetzesentwurf zur Krankenhausreform richtet (das IK berichtete). In Wittingen beteiligten sich 15 Klinik-Mitarbeiter, während gut 130 Angestellte der Helios-Klinik in Gifhorn Flagge zeigten. In der Kreisstadt allerdings durfte nicht vor dem Gebäude demonstriert werden. Der Konzern untersagte das, hieß es.

„Das ist ein starkes Signal und der größte Protest in Kliniken in Deutschland überhaupt. Es ist in erster Linie ein Solidaritätsstreik“, erläuterte Betriebsratsvorsitzender Artur Suckut. Auch wenn die Personallage in Gifhorn noch nicht kritisch sei, habe die Arbeitsverdichtung erheblich zugenommen. „Die Kollegen geben alles, da braucht sich niemand Sorgen zu machen, aber es wird immer hektischer“, sagte Suckut. Zeitliche Zuwendungen blieben ohnehin auf der Strecke, die Belastung für das Personal steige kontinuierlich. „Es spitzt sich weiter zu“, so Suckut.

Auch in Wittingen beteiligten sich gestern 15 Mitarbeiter an der bundesweiten Protestkette.

Zwar gebe es in anderen Berufen auch eine Arbeitsverdichtung. „Aber hier geht es um kranke Menschen, die bestimmte Bedürfnisse haben. Da darf nicht einfach mal eben etwas liegen bleiben“, erklärte er. Man lasse den Stress die Patienten nicht spüren, dennoch gebe es auch in Gifhorn mehr Krankmeldungen, Überlastungsanzeichen und eine steigende psychische Belastung des Personals. „Wir werden keine Ruhe geben, bis wir verbindliche Vorgaben aus der Politik erhalten“, bekräftigte Suckut. Dass gerade gestern gestreikt wurde, lag an der zeitgleich stattfindenden Gesundheitsministerkonferenz in Bad Dürkheim.

„Verdi schickt die gesammelten Bilder der Streikenden aus ganz Deutschland per Mail dorthin“, sagte Suckut. Auch ein schriftlicher Appell mit Forderungen wird dort überreicht.

„Es hat sich nichts gebessert“, stellte auch die Bundestagsabgeordnete Ingrid Pahlmann (CDU) fest. Die Streikaktion sei „wichtig und richtig“. Sie war ebenfalls vor Ort, um „Argumente für ihre Bundestagskollegen zu sammeln“. Das Problem sah sie insbesondere bei den Ländern, die die finanziellen Zuwendungen für Investitionen an die Kliniken kürzten. Das Problem bestehe übrigens nicht nur in den privatisieren Krankenhäusern, bestätigte Pahlmann. „Auch die von Stiftungen getragenen Kliniken haben diese Probleme.“

Die Helios Kliniken sehen ebenfalls Bedarf für Anpassungsprozesse im Arbeitsalltag des Klinikpersonals aufgrund einer Arbeitsverdichtung. Nur mehr Personal einzusetzen, sei allerdings nicht die Lösung. „Unzureichende Strukturen werden nicht davon besser, dass mehr Mitarbeiter in diesen Strukturen arbeiten. Wir müssen vielmehr die Qualität der Zusammenarbeit und die Qualifikation der Beschäftigten verbessern,“ sagt Ulrike Grönefeld, Regionalleiterin Unternehmenskommunikation der Helios Kliniken. Die Helios-Kliniken seien da auf einem guten Weg.

Von Burkhard Ohse

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