Das sonnigste Frühjahr

Knochentrockener Acker bei Gifhorn: Das Frühjahr war für die Landwirte eine echte Durststrecke. Foto: dpa

Isenhagener Land. Nach dem schwülwarmen Wochenende könnten Blitz und Donner mit stürmischen Windböen, Platzregen und recht wenig Sonnenschein noch bis Mittwoch an der Tagesordnung sein. Ab Donnerstag strömt hinter einer Gewitterfront aus Westen angenehm kühle Nordseeluft ein. Bei maximal 20 Grad scheint dann wieder häufiger die Sonne. Ob sich über die Pfingsttage aus Osten erneut deutlich wärmere Luft durchsetzen kann, wird die Atmosphäre erst im Laufe der Woche klären.

Den „Mai kühl und nass“, wünscht sich der Bauer für eine gute Ernte. Doch daraus wurde nichts. Weder war der Mai kühl noch nass. Ganz im Gegenteil: Zwischen Aller und Elbe zeigte er sich rund 1,5 Grad zu warm und brachte es, gemessen am Klimamittel (1961 bis 1990), nur auf 23 bis 45 Prozent der üblichen Niederschläge. Nur örtlich spendierte der Himmel durch kräftigere Schauer eine kleine Zugabe, so dass die Frühjahrsdürre in der Landwirtschaft nun bedrohliche Ausmaße angenommen hat.

Für erhebliche Frostschäden an Obstbäumen, Nussbäumen, der Erdbeerblüte und gebietsweise sogar den Ähren der Wintergerste sorgte ein außergewöhnlich massiver Einbruch arktischer Kaltluft vom 1. bis 5. Mai. Am Morgen des 5. Mai wurden mit minus 2 bis minus 3 Grad verbreitet neue Negativrekorde für diesen Tag aufgestellt. In Waldhof bei Langenbrüüge ging es sogar bis auf minus 4,5 Grad runter, in Wendisch Evern bei Lüneburg am Boden sogar bis auf minus 7,3 Grad. Damit erlebte das nordöstlichen Niedersachsen die zweitkälteste Mainacht seit Kriegsende und den schärfsten Bodenfrost seit mindestens 1941.

Die gefürchteten Eisheiligen (11. bis 14. Mai) kamen mit Höchstwerten um 20 Grad diesmal fast schon als Schweißheilige daher. Immerhin sorgten sie für eine nachhaltige Umstellung der Großwetterlage, von der trockenen östlichen auf die feuchte atlantische Windrichtung. Dadurch lebte die Niederschlagsneigung zwar auf, doch ein relativ hoher Luftdruck verhinderte die benötigten intensiveren Niederschläge.

Dichte Wolken ließen in der zweiten Maidekade der Sonne nur wenig Raum. Trotzdem reichte es zwischen Heide und Elbe mit 242 bis 272 Sonnenstunden für ein ansehnliches Plus von 15 bis 22 Prozent und damit für einen standesgemäß sonnig-wonnigen Maimonat.

Blickt man auf das ganze Frühjahr, so war es im Isenhagener Land das trockenste und sonnigste überhaupt. Beim Niederschlag unterbot Wittingen mit 47 Liter pro Quadratmeter noch den Negativrekord aus dem Jahr 1971, während es die Frühjahrssonne mit 674 Stunden (bisher 653 im Jahr 2009) ebenfalls auf eine neue Bestmarke brachte. Bei der Wärme sprang mit durchschnittlich 10,1 Grad (plus 2.3 Grad), nach 2007 (plus 2,8 Grad) und 2009 (plus 2,6 Grad) „nur“ ein dritter Rang heraus.

Von Reinhard Zakrzewski

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