Parteitag des SPD-Unterbezirks Gifhorn: Sozialdemokraten blicken optimistisch auf anstehende Wahlen

Schulz-Euphorie reicht bis Hillerse

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Die Delegierten stimmten einem Antrag der Jusos zu, der den Landkreis unter anderem zur Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft auffordert.

Hillerse. Eine einzige Personalie kann mitunter viel bewirken: Seit klar ist, dass die SPD mit Martin Schulz als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf zieht, ist in der Partei eine selten dagewesene Euphorie ausgebrochen.

Mehr als 6500 Neueintritte hat es bundesweit in den vergangenen Wochen gegeben.

Das zeigt sich auch im Landkreis Gifhorn. Am Samstag hielt der SPD-Unterbezirk Gifhorn in Hillerse seinen Parteitag ab. Pflanzen und SPD-Fähnchen auf den Tischen, Aufbruchsstimmung in der Luft. Mehr als 20 Personen aus dem Landkreis, überwiegend im jungen Alter, seien in den vergangenen Wochen über die Internetseite in die Partei eingetreten, sagte der Vorsitzende Jan Schwarz. Gewöhnlich seien es 40 – in einem ganzen Jahr.

Einen wesentlichen Anteil daran hat Schulz. „Er steht für die Grundwerte der SPD“, sagte Schwarz. Er berichtete von Gesprächen mit drei Neumitgliedern: „Sie wollen sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen.“

Das Thema Wohnen stand auf dem SPD-Parteitag in Hillerse im Mittelpunkt.

Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Heil appellierte an die Delegierten, die Neumitglieder gut in die Partei aufzunehmen. Das Euphorie-Pendel könne schnell wieder umschlagen. Bei den Gifhorner Sozialdemokraten reicht dafür schon ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Bei der Kommunalwahl im vergangenen Herbst habe man zum Teil schwere Wahlniederlagen einstecken müssen, räumte Schwarz ein. Das Ziel, die Sitzanzahl im Kreistag zu halten, habe man nicht erreicht. Ebenfalls sei es vereinzelt vorgekommen, dass die SPD mehr Sitze erringen konnte, als Kandidaten auf der Liste standen. Kein gutes Zeichen für eine große Volkspartei, wie die SPD sich selbst sieht. „Das ist eine Situation, an der wir dringend arbeiten müssen“, sagte Schwarz. Er selbst kann weiterhin seinen Beitrag leisten: Die Delegierten wählten den Weyhäuser mit knapp 90 Prozent der Stimmen für eine weitere Periode zum Vorsitzenden. Auch seine beiden Stellvertreter, Karen Wachendorf und der Wittinger Jörg Bialas, wurden wiedergewählt.

Anfang 2018 will die SPD die rot-grüne Mehrheit im Landtag halten. Welche Kandidaten der Sozialdemokraten im Landkreis Gifhorn die Direktmandate holen wollen, bleibt indes offen. Nach dem überraschenden Verzicht des niedersächsischen Generalsekretärs Detlef Tanke auf die Kandidatur im Südkreis hat die SPD bislang noch keinen Kandidaten für die beiden Wahlkreise. Während sich im Südkreis schnell neue Interessenten gefunden haben und nun in einer Kampfabstimmung gegeneinander antreten, hat im Nordkreis bisher nur Tobias Heilmann seinen Hut in den Ring geworfen.

Das Thema Wohnen stand auf dem Parteitag im Mittelpunkt. „Nicht nur in Gifhorn fehlt bezahlbarer Wohnraum“, sagte Schwarz. Auch auf dem Land gebe es hier Nachholbedarf. Die Delegierten stimmten einstimmig einem Antrag der Jusos zu, der die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft und die Erstellung eines bedarfsgerechten Wohnraumversorgungskonzeptes durch den Landkreis Gifhorn fordert. Ferner soll künftig etwa für alle Kinder in Krippen, Kindergärten und Ganztagsschulen ein kostenfreies Mittagessen eingeführt werden.

Von Eike Hoppmann

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