Landvolk: Kälte im Kreis Gifhorn hat Pflanzen bisher eher genutzt als geschadet

Schnee schützt Getreide

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Ein sonniger, aber frostiger Wintermorgen bei Isenhagen: In der Nacht zu gestern war es in der Region minus 13 Grad kalt. Doch sowohl Landvolk als auch Landwirtschaftskammer geben Entwarnung: Das Wintergetreide hat die Kälte bisher gut überstanden.

Landkreis Gifhorn. Kalt, kälter, Isenhagener Land: Mit Temperaturen von minus 13 Grad in der Nacht zum Freitag wurde in der Region die bislang tiefste Temperatur dieses Jahres gemessen.

Doch das Wintergetreide hat den anhaltenden Frost bislang gut überstanden, sagt Klaus-Dieter Böse, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Gifhorn-Wolfsburg, auf Anfrage des IK.

Die im Herbst ausgesäten Pflanzen – hauptsächlich Weizen, Roggen und Gerste – seien durch die Schneedecke vor der Kälte geschützt. „Das wirkt wie eine Isolationsschicht“, erklärt Böse. Außerdem sei es, mit Ausnahme der vergangenen beiden Nächte, nicht klirrend kalt gewesen. Erst ab dauerhaften Minusgraden im zweistelligen Bereich werde es für die Pflanzen gefährlich. „Die können ein bisschen Frost vertragen“, weiß Böse. „Kaltfröste ohne Schneedecke wären dagegen viel schlimmer.“ Auch im vergangenen Winter, als es im Isenhagener Land zeitweise minus 24 Grad kalt war, habe es kaum Schäden an Pflanzen gegeben. „Viel schlimmer hat es damals den Harz erwischt“, berichtet Böse.

Die Kälte habe den Ackerbauern in der Region bisher eher genutzt als geschadet, meint auch Walter Hollweg, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Das gelte sowohl für Wintergetreide als auch für Winterraps. „Positiv wirken sich die tiefen Temperaturen auf die Ackerkrume aus. Der Frost verbessert die Bodenstruktur, indem er verdichtete Bereiche, zum Beispiel Fahrspuren, wieder auflockert“, erläutert der Pressesprecher.

Trotz der positiven Zwischenbilanz gibt er für diesen Winter noch keine Entwarnung. Sollten nach der Schneeschmelze, die für kommende Woche vorhergesagt wird, Wechselfröste mit Tauwetter am Tag und Minusgraden in der Nacht auftreten, könne das die landwirtschaftlichen Kulturen noch stark treffen, warnt Hollweg.

Dabei seien es seltener Erfrierungen, die Getreide und Raps zusetzten. „Vielmehr führen frostbedingte Bodenbewegungen zu einem Abreißen der zarten Wurzeln, was die Pflanzen vertrocknen lässt“, sagt er. Massiv geschädigte Bestände müssten umgepflügt und neu eingesät werden, weniger betroffene Kulturen brächten in der Regel geringere Erträge.

Eine weitere Gefahr sieht Landvolk-Geschäftsführer Bö-se: „Sollte nächste Woche viel Regen auf den gefrorenen Boden fallen, kann das Wasser nicht abfließen. Dann könnten die Pflanzen in den Pfützen auf dem Acker ersaufen.“ Noch heißt es für Landwirte also: Daumen drücken.

Von Bernd Schossadowski

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